Neuer Appell zur ZAD

siehe auch:

http://burestop.free.fr/spip/spip.php?article902

ZAD de NDDL : appel pour une vraie sortie de crise !

Avant la reprise du dialogue avec la préfète de Loire-Atlantique, des organisations nationales, associations, collectifs et personnalités, appellent fermement le gouvernement à permettre une sortie de crise à la ZAD de Notre-Dame-des-Landes, pour éviter un nouveau Sivens.

La tentative d’expulsion des habitant-es de la ZAD engagée la semaine dernière par le gouvernement s’est soldée par un échec cuisant et prévisible. La méthode forte employée, brutale et guerrière a blessé de nombreuses personnes, semé la révolte et relancé un conflit stérile. Nous répétons que la poursuite des expulsions serait dramatique et ferait risquer un nouveau Sivens.

L’afflux de soutien en un temps record sur ce territoire est le révélateur du profond attachement inter-générationnel à ce lieu devenu un symbole d’expérimentation et d’espoir, bien loin des caricatures grossières et hâtives que veulent en donner certains politiques et ministres.
Le gouvernement continue néanmoins de mettre le couteau sous la gorge aux habitants encore non expulsés, menace des espaces d’activités non encore détruits, en enjoignant les habitants à accepter avant le 23 avril 2018 un modèle de régularisation purement individuel, qui opérerait un tri inacceptable entre eux. Alors que sur la Zad, solidarité et dimension collective sont expérimentées chaque jour et sont un des piliers de projets de vie.
Une écoute honnête et réelle quant à cette dimension collective du projet porté pour l’avenir de la Zad est essentielle. Une place doit être laissée à ce titre à des activités qui ont un caractère agricole, mais aussi artisanales, culturelles, sociales, ainsi qu’à l’ensemble des habitats. C’est ce maillage d’activités qui fait la richesse de ce lieu, un espace rural vivant, un lieu expérimental à cultiver, une singularité à préserver.
Alors que le mouvement d’occupation a accepté un nouveau rendez-vous avec la Préfète le 18 avril, nous ne pouvons croire que le gouvernement s’enferme définitivement dans une logique martiale, en méprisant au passage le soutien large dont bénéficie l’expérience de la Zad, comme le week-end du 14-15 avril l’a largement montré, sans laisser une place réelle au dialogue.
Nous réaffirmons donc notre soutien au territoire de la ZAD et demandons au gouvernement d’agir pour une véritable sortie de crise par le haut :
    – En sortant de l’ultimatum du 23 avril pour permettre un dialogue de long terme en posant un calendrier aux échéances raisonnables et soutenables
    – En retirant le dispositif militaire pour permettre des discussions apaisées
    – En laissant la porte ouverte aux projets de prise en charge collective des terres de la ZAD par celles et ceux qui l’habitent.
Il s’agit aujourd’hui d’admettre, au niveau gouvernemental, que d’autres modèles de schémas sociétaux sont désirable et possibles, que des projets d’agriculture innovants sont à expérimenter et que la répression aveugle ne peut avoir de place dans une société équilibrée,  démocratique et affichant sa volonté d’aller de l’avant.
 Übersetzung Stuttgart21 ueberall

ZAD von NDDL : Aufruf zu einer wirklichen Lösung für die Krise !

Vor der Wiederaufnahme des Dialogs mit der Präfektin von Loir-Atlantique, rufen die nationalen Organisationen, Vereine, Initiativen und Persönlichkeiten die Regierung nachdrücklich auf, eine Lösung für die Krise auf der ZAD von Notre-Dame des Landes zu ermöglichen, um eine neue Situation wie in Sivens zu vermeiden.

Der Versuch der Regierung in der letzten Woche, die BewohnerInnen der ZAD zu vertreiben, war ein vorhersehbarer Misserfolg auf der ganzen Linie. Die Methode der Härte mit brutalen und kriegerischen Methoden hat zahlreiche Menschen verletzt, den Geist der Revolte gesät und einen ruhenden Konflikt wieder aufleben lassen. Wir wiederholen, dass eine Fortsetzung der Vertreibung dramatisch werden und die Gefahr eines neuen Sivens in sich tragen könnte.

Der Zustrom in Rekordzeit von Unterstützern auf dieses Gelände zeigt deutlich die tiefe generationen-übergreifende Verbundenheit mit diesem Ort, der ein Symbol des Experimentieren und der Hoffnung geworden ist, ganz im Gegensatz zu den plumpen und übereilten Karikaturen, die gewisse Politiker und Minister von ihnen zeichnen wollen.

Die Regierung setzt den noch nicht vertriebenen Bewohnern das Messer an die Kehle, bedroht noch nicht zerstörte Handlungsräume und mahnt die Bewohner bis zum 23. April 2018 ein ganz individuelles Modell der Meldung zu akzeptieren, das unter ihnen eine unannehmbare Auslese erzeugen würde, während doch Solidarität und die kollektive Dimension Tag für Tag auf der ZAD erprobt werden und einer der Pfeiler der Lebensprojekte sind.

Ein wirklich offenes und ehrliches Ohr für diese kollektive Dimension des Projektes für die Zukunft der ZAD ist jetzt wesentlich. Dabei muss Platz für Aktivitäten von landwirtschaftlichem Charakter, aber auch mit handwerklichen, kulturellen, sozialen Seiten, und zwar für die Gesamtheit der Wohnräume, gelassen werden. Dieses Maschennetz von Aktivitäten macht den Reichtum dieses Ortes aus, schafft einen lebendigen ländlichen Raum, einen Ort des Experimentierens, die gepflegt, eine Besonderheit die erhalten werden soll. 

Nachdem die Besetzungsbewegung einem neuen Treffen mit der Präfektin für den 18. April zugestimmt hat, können wir nicht glauben, dass die Regierung sich definitiv in einer martialischen Logik verschließt und die breite Unterstützung für das Experiment der ZAD ignoriert, wie sie das am Wochenende vom 14.-15. April zu Genüge bewiesen hat, ohne dem Dialog einen realen Platz einzuräumen.

Wir versichern daher erneut unsere Unterstützung für das Gelände der ZAD und fordern die Regierung auf, so zu handeln, dass eine wirkliche Lösung der Krise von oben möglich wird:

  • Das Ultimatum vom April aufzugeben, um einen langfristigen Dialog zu ermöglichen und einen Kalender mit vernünftigen und möglichen Fristen zu setzen
  • Die militärischen Vorrichtungen zurückzuziehen, um wieder Diskussionen in beruhigter Atmosphäre führen zu können
  • Für Projekte mit kollektiver Verantwortung für die Ländereien der ZAD in der Hand derjenigen, die sie bewohnen .

 Heute geht um das Zugeständnis auf Regierungsebene, dass andere Modelle gesellschaftlicher Ordnung wünschenswert und möglich sind, dass innovative Landwirtschaftsprojekte experimentiert werden, und dass blinde Unterdrückung in einer ausgewogenen demokratischen Gesellschaft, die den Wunsch vorwärts zu gehen verbreitet, keinen Platz hat.

 

 

Solidaritätserklärung aus Stuttgart

 

Le mouvement des citoyens contre Stuttgart 21 est solidaire des amis de Notre-Dame- des Landes

Stop à l’évacuation et aux destructions,

protégeons des approches alternatives !

L’alliance d’action contre Stuttgart 21 est solidaire des ZADistes, des occupants de la zone prévue pour un aéroport à Notre-Dame-des-Landes/Bretagne. Le projet a été abandonné après de nombreuses années de débat et de confrontation; c’est un grand succès du mouvement citoyen – et une chance.

Au lieu de protéger les nombreux projets alternatifs écologiques, d’agriculture et de formes de vie alternatives, les militants sont actuellement expulsés par un déploiement massif de la police. Des institutions construites par les ZADistes, dont bon nombre d’habitants et de paysans qui ne se sont pas laissés chasser, sont progressivement détruites. Les confrontations se poursuivent. Les gens arrivent en soutien de toute la France et d’ailleurs.

Nous dénonçons la violence de la police contre ceux à qui nous devons, grâce à leur désobéissance civile, l’abandon d’un grand projet insensé.

Nous soutenons la résistance des occupants de la zone et nous signons aussi l’appel suivant qui circule : 

 

 

Bürgerbewegung gegen S21 solidarisch mit Freunden in Notre-Dame-des-Landes
Räumung und Zerstörungen stoppen,
alternative Ansätze schützen!

 

Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 solidarisiert sich mit den ZADisten, den Besetzern des
Areals in Notre-Dame-des-Landes/Bretagne, auf dem ein Flughafen gebaut werden sollte. Das
Projekt wurde nach vielen Jahren der Auseinandersetzung abgesagt. Ein großer Erfolg der
Bürgerbewegung – und eine Chance.
Statt die vielen alternativen Projekte des Umweltschutzes, der Landwirtschaft und alternativer
Lebensformen zu schützen, werden die AktivistInnen derzeit mit einem massiven
Polizeiaufgebot vertrieben. Einrichtungen, die die ZADisten, darunter viele Einwohner und
Bauern, die sich nicht haben vertreiben lassen, errichtet hatten, werden Zug um Zug zerstört.
Die Auseinandersetzungen dauern an. Aus ganz Frankreich und darüber hinaus reisen
UnterstützerInnen an.
Wir verurteilen die Polizeigewalt gegen die, deren zivilem Ungehorsam es zu verdanken ist,
dass ein unsinniges Großprojekt nicht gebaut wird. Wir unterstützen den Widerstand der
Platzbesetzer.

Wir unterzeichnen auch den zirkulierenden Aufruf:

Stopp der Evakuierung der ZAD! Sofort, bevor es zu spät ist!

Die Organisationen und Vereine, die den aufgezwungenen Großprojekten die für den Erhalt
der Umwelt gefährlich und schädlich sind, entgegentreten, sind empört und verurteilen das
gegenwärtig stattfindende Vorgehen der Regierung auf dem Gelände der ZAD von Notre
Dame des Landes.
Sie fordern diese groß angelegte militärische Operation zu stoppen, die blind und
summarisch all die dort eingeführten oder in der Erprobung befindlichen Projekte
alternativen Lebens zerstört, die zuvor gegebene Zusagen gegenüber zahlreichen
BesetzerInnen mit Füßen tritt, und die eine sehr riskante Spirale der Spannungen und einen
daraus resultierenden verzweifelten und aussichtslosen Prozess provoziert.
Der Staat trägt die volle Verantwortung für die schon angekündigten Verletzten, sowohl unter
den Bewohnern der ZAD als auch unter den Ordnungskräften. Wir erinnern uns an das
Drama von Sivens und die darauf folgenden Versammlungen im Rahmen der Kommission
Richard, wo wir beteiligt waren– war das vergeblich? Mit der Knebelung der Presse erreicht
dieses Vorgehen eine neue Stufe, die niemanden gleichgültig lässt und eine große
Beunruhigung hervorruft.
Die gegenwärtige Mehrheit der Politiker muss mit ihrer Verachtung, Stigmatisierung und
Zerstörung des Wunsches nach neuen ökonomischen, landwirtschaftlichen, kulturellen,
solidarischen und gesellschaftlichen Modellen aufhören. Es sind Wünsche eines Teils der
heutigen Jugend, die allein berechtigt ist, ihre Zukunft aufzubauen. Das Signal, das heute mit
der Evakuierung der ZAD von Notre Dame des Landes an die „Welt von morgen“ gegeben
wird, ist unwürdig für ein Land, das sich noch als demokratisch bezeichnet.
Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21, Donizettistraße 8 B · 70195 Stuttgart info@kopfbahnhof-21.de, http://www.kopfbahnhof-21.de, http://www.umstieg-21.de
Daher appellieren wir an die zuständigen Ministerien, sich zu besinnen, eine sofortige Pause
bei der Zerstörung auf dem Gelände einzulegen und den Dialog wieder aufzunehmen. Sonst
werden die Aufrufe zur Mobilisierung und zur Unterstützung in alle Richtungen in den
kommenden Stunden verstärkt werden.

Unterzeichner:
Agir pour l’Environnement
Coordination Cigeo-BURE Stop (Asodedra, Burestop 55, Bure Zone Libre, Cedra 52, Eodra,
Habitants vigilants de Gondrecourt-le-Château, MNE, Fédération MIRABEL Lorraine
environnement et des opposantes et opposants à la poubelle nucléaire) (en attente
confirmation pour certains)
Collectif pour le Triangle de Gonesse
France Nature environnement Grand Est
France Nature Environnement (en attente confirmation)
Réseau Sortir du nucléaire (en attente confirmation)
Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21

 

 

 

 

Kurze Infos zur besetzten Zone bei Notre Dame des Landes

Das französische Fernsehen verbreitete in einer Nachrichtensendung am 30.März  die Nachricht,  dass zum  31. März die Frist für die Besetzer zum Verlassen der ZAD ausläuft .
Am 30. März wurde noch an einer Versammlungshalle auf dem Gelände weitergebaut  und es gab Verhandlungen mit der Präfektin. Zu den Ergebnissen der Verhandlungen wurde nichts gesagt.

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Die ZAD wird leben – Artikel von Reporterre

Übersetzung : AK « Stuttgart 21 ist überall »

Die ZAD wird leben  

  1. Februar 2018   

Nachdem das Flughafenprojekt von Notre-Dame-des-Landes aufgegeben wurde, steht die ZAD vor der Herausforderung die lebendige Bewegung aufrecht zu erhalten.

Die AutorInnen dieser Plattform erklären, welche Spannungen aus der Wiederöffnung der „route des chicanes“ (der Straßen, die das Gelände kreuzen) entstehen, und beschreiben eine kollektive Verwaltung der „größtmöglichen Fläche“ des Geländes mit dem Ziel der Legalisierung.

 

Vom versammelten Rat zur Erhaltung der Besetzungen (CMDO)  mit BewohnerInnen folgender Orte: die Mühle von Rohanne, die Rolandière, die 100 Namen, la Hulotte (der Waldkauz), Saint-Jean du Tertre, les Fosses noires (die Schwarzen Gräben), la Baraka (Glück) et Nantes.

« In Notre-Dame-des-Landes wird es keinen Flughafen geben », haben wir oft gesagt; wir hatten uns in den Kopf gesetzt die Zukunft zu weissagen. Am 17. Januar wurde diese Aussage in Großbuchstaben im ganzen Land verbreitet. Jetzt ist das ein ganz einfacher Satz, aber er kennzeichnet eine historische Tatsache von einer Tragweite, die es in den letzten 40 Jahren so nicht gab, den ersten großen politischen Sieg einer ganzen Generation.

Man muss schon auf den Kampf der Bauern des Larzac zurückblicken, um etwas Vergleichbares zu finden, so selten geschieht das heutzutage. Im Übrigen ist das ein schlechter Vergleich, denn hier haben wir über eine ganze Serie von feindlich gesinnten Regierungen gesiegt, und kein Kandidat hatte in sein Programm geschrieben das Projekts fallen zu lassen. Wir waren nicht gerade pazifistisch, was die Chronisten sogleich unterstreichen und das sinnbildliche Statut der „rechtsfreien“ Zone der ZAD und ihre hartnäckige Verteidigung im Jahr 2012 ins Feld führen.

Es wäre ein Irrtum zu glauben, dass nur die Steine und die Barrikaden den Sieg ermöglicht hätten. Aber durch ihren Einsatz war die Entscheidung aufzugeben für Macron zugleich zwingend und schwer zu schlucken. Er würde „die ZAD den Radikalen überlassen“, warf man dem Präsidenten in den Leitartikeln vor, und dabei verschwiegen sie, dass eine Bewegung insgesamt ein halbes Jahrhundert lang mit allen legalen oder illegalen Formen Widerstand geleistet hatte. Um seine Demütigung zu vermeiden, zog der Staat ein wenig überzeugendes Spektakel auf, zuerst eine Schlichtung, dann jede Menge Versammlungen mit lokalen Abgeordneten, und dann eine gemimte fehlgeschlagene Vertreibung, um seine Drohungen, seinen Verzicht, seine Leugnungen vergessen zu lassen, um sein siegreiches Ja aus der Befragung von 2016 zu überspielen, kurz den skandalösen Charakter einer solchen Schlappe zu vertuschen. Trotz all dieser Bemühungen schimmert, inmitten all dieses von Medien und Politikern hinterlassenen Unrats, der Sieg. Es reichte 2 kleine Wörter zu sagen: „Et toc ! Das war’s!“

Am 17. Januar 2018 in Notre-Dame-des-Landes.

Wie gut diese frechen Worte tun, in einer Zeit, in der es scheint, als wäre alles Kämpfen vergeblich, das kann jeder spüren, nachdem fast schon ein Jahrzehnt lang andauernd Druck auf die Bocage-Gegend und in den Demonstrationen in Frankreichs Städten ausgeübt wurde. Am 17. Januar haben wir aus ganz Europa Grußbotschaften erhalten, so groß ist der Symbolwert der Erfahrung der ZAD, wegen ihrer Dauer, ihrer Beharrlichkeit, Durchsetzungsfähigkeit und Kühnheit. Aber was uns noch mehr berührt hat, waren die Umarmungen der alten Kämpfer im Schuppen der Vacherit, der Frauen und der Männer, die in den 60er bis 80er Jahren gegen den Atomkraftwerksbau im Pellerin, im Carnet und in Plogoff gesiegt haben, und die nach der Sitzung mit den Notabeln ihr Glas erhoben auf deren berechtigte Angst, ihre Großprojekte in diesem Land nicht mehr durchführen zu können,.

Falls uns erneut Gefahr drohen sollte vertrieben zu werden, erklären sich alle bereit, die Straßen zur ZAD wieder zu blockieren.

 

Allerdings wird es nicht einfach sein zu gewinnen. Denn Journalisten, Abgeordnete und Unterrnehmer betonen praktisch unisono, dass, wenn der Staat dieses Flughafenprojekt aufgibt, man sich bei dieser Gelegenheit auch der „Zadisten“ entledigen sollte. Man müsste sich dann auf etwas stützen, was die illegalen Besetzer letztendlich von ihren Nachbarn, den Genossen Bauern, Naturschützern, Gewerkschaftern isolieren könnte. So hat uns die Präfektur aufgetragen, alles abzubauen, was die Landstraße D281 versperrte, andernfalls würde es umgehend einen Polizeieinsatz geben, dessen Ausmaß bewusst unscharf gelassen wurde. Die mobile Nationalgarde parkte in der Umgebung und kontrollierte die Fahrzeuge der Orte in unmittelbarer Nachbarschaft der ZAD. Die Anordnung hatte einen zumindest komischen Aspekt, denn dieselbe Präfektur hatte 2013 diese Achse geschlossen und sie war von der Bewegung sofort wieder geöffnet worden.

Allerdings ist diese Straße nicht einfach eine Achse, sie ist ein Symbol unserer Geschichte mit ihren berühmten. zugleich poetischen und chaotischen „chicane“-Hütten, ihren in Teer eingedrückten Zeichnungen, ihren Dornenranken, die den Asphalt erobern, ihren unwahrscheinlichsten Nutzungsmöglichkeiten… und den Auseinandersetzungen, die sie zyklisch unter uns hervorrief. Denn wenn sie auch für den Verkehr geöffnet war, war sie doch nicht immer leicht zu befahren, vor allem für die Bauern, die mit ihren landwirtschaftlichen Fahrzeugen manchmal fast nicht mehr durchkamen. Sie erzeugte auch unter vielen unserer Nachbarn Ängste und Groll, aufgrund des teils feindseligen Verhaltens gewisser Barrikadenbauer, und viele fanden sich damit ab, sie nicht mehr zu benutzen. Sobald man aber aussprach, die Straße aufgeben zu wollen, wurde es unmöglich, die „chicanes“ der Straße weiter entschieden zu verteidigen, denn die Dorfbewohner sprachen sich natürlich für ihre völlige Öffnung aus, und ein sehr wichtiger Teil der Bewegung schätzte diese Geste als notwendig ein, um einen Kampf für die Zukunft der ZAD überhaupt aufrecht erhalten zu können.

Der Staat versuchte daraufhin, diesen Streitpunkt auszunutzen, um nicht völlig das Gesicht zu verlieren. Da sagten sich viele von uns, dass die Polizei höchstwahrscheinlich wie angekündigt eingreifen würde, wenn wir die Straße nicht freigeben. Das hätte der Regierung, abgesehen von  den Barrikaden, die erträumte Geschichte und für die Presse das gefundene Fressen geliefert über die berüchtigten „50 Radikalen“, die dann abgeschnitten wären, weil der Rest der Bewegung da nicht mitmachen würde. Dies wiederum hätte als Sprungbrett für Verhaftungen bzw. für die Vertreibung aus einigen Behausungen dienen können. So wurde in den Tagen nach der Aufgabe des Flughafenprojekts die Räumung der D281 der entscheidende Punkt, an dem die Bewegung entweder endgültig zerbrach oder die Möglichkeit schuf, über den 17. Januar hinaus weiter zu bestehen und zu wachsen.

Sollte man riskieren alles zu verlieren – das Experiment der ZAD, die vereinte Verteidigung der besetzten Orte, eine gemeinsame Zukunft mit den anderen Beteiligten, nur für dieses Symbol? Wir beschlossen auf der Versammlung, dass wir das nicht wollten, diesmal allerdings ohne einen Konsens zu erreichen. Manche haben diese Resolution sehr schlecht aufgenommen, und wir brauchten lange Diskussionen, die oft in offenen Krach ausarteten, um schließlich die zwei auf die Straße gebauten Hütten abzubauen. Die eine der beiden wird auf einem Feld am Rande der D281 wieder aufgebaut. Aber die Spannungen um die Straße und die Wiederherstellungsarbeiten bestehen weiter.

Auf der „route des chicanes“ vor ihrer völligen Wiederöffnung im Januar 2018

Für die unmittelbare Zukunft ist jedoch wichtig, dass der Abbau die Gelegenheit gab, ein feierliches Versprechen aller Beteiligten zu erneuern: Wenn die Gefahr unserer Vertreibung erneut droht, helfen wir alle mit, die Straßen zur ZAD wieder zu barrikadieren. Und das so oft wie notwendig. Auf diese Weise antwortet die Bewegung sowohl auf ihre internen Unstimmigkeiten als auch auf die Macht, der die Freigabe der D281 als symbolischer Ausdruck für eine „Rückkehr zur Ordnung“ dient. Allerdings nur, was die „chicanes“ betrifft, denn die ZAD ist immer noch besetzt. Aber der Köder reicht aus dafür, dass der Staat akzeptiert, Verhandlungen über die Zukunft dieses Geländes zu eröffnen.

Für uns selbst hat diese schwierige Episode gebracht, dass die Nicht-Besetzer einmal mehr ihren Willen bekundet haben, sich auch nach der Aufgabe des Flughafens weiter zusammen mit uns zu engagieren. Das war nicht selbstverständlich, nachdem das ursprüngliche Ziel für einige ja erreicht war. Und das ist es umso weniger, wenn die menschlichen Beziehungen sich so hart verkrampfen. Aber die weitere Anwesenheit dieser Genossen kennzeichnet mehr denn je den Wunsch einer gemeinsamen Zukunft. Dieser früher eher wenig wahrscheinliche Wunsch ist im Verlauf der Jahre voller gemeinsam erlebter Gefahren und Herausforderungen, Feste und Baustellen gewachsen. Da waren die handfesten Erfahrungen, die die Politik „von der Stange“ und die Grenzen aller Beteiligten umgeworfen haben. Da war die Weigerung, sich einfach nur mit der Rückkehr zum Alltag abzufinden. Jedoch kann man diesen Wunsch über den Flughafen hinaus weiter zu machen nicht als gesichert betrachten, sondern das ist ein empfindliches Gleichgewicht, um das wir uns kümmern müssen, denn es wird von nun an den Kampf bestimmen.

Neue Gelände besetzen, Projekte bauen – und zugleich die Gier der „Absahner“ und die Arroganz der Regierenden beschneiden

Obwohl wir es nicht gewohnt sind zu siegen, bringt uns der Sieg nicht in Verlegenheit. Wir hatten schon vor Jahren eine fundamentale Eingebung: Ein Sieg ist etwas, an dem man bauen muss. Obwohl diese Idee eine Art Bruch darstellte, hatte die Bewegung sich schon seit dem Ausgang der Operation Caesar 2012 überlegt, was sie eigentlich ins Rollen bringt. Wir dürfen nicht unter Druck erfinden, was wir erreichen wollen, im Text der „Sechs Punkte für die Zukunft der ZAD“ von 2015 ist dies bereits festgelegt. Das war eine fundamentale Verschiebung, denn wir gingen nun langsam vom Widerstand gegen ein Projekt über zum Einsatz für die Erhaltung und Erweiterung dessen, was wir durch den Kampf auf diesem Gelände aufgebaut hatten. Und seit dem 17. Januar haben wir dieses gemeinsame Ziel vor Augen.

Um dort hinzukommen, können wir uns jetzt auf die eben erreichte Legitimität stützen. Man hat zugegeben, dass wir Recht hatten. Daraus ergeben sich zahlreiche Konsequenzen. Zum Beispiel die bedingungslose Verteidigung der Amnestie für alle Angeklagten der Bewegung gegen den Flughafen. Aber auch und besonders ein einfaches Prinzip: Diejenigen, die es erreicht haben, dass das Gelände nicht zerstört wurde, sind auch am besten geeignet es nun zu übernehmen.

Der 17. Januar 2018 in Notre-Dame-des-Landes.

Das Ende der Frist der Gemeinnützigkeitserklärung am 9. Februar wirft den Status der ZAD als Flughafengelände über den Haufen. Auf den 1650 ha der Flughafen-Grundfläche werden 450 ha seit langem von Bäuerinnen und Bauern im Widerstand bebaut, und diese erwarten natürlich ihre Rechte zurück zu erhalten. 270 ha entriss die Bewegung der Verwaltung der Landwirtschaftskammer, um dort kollektive landwirtschaftliche Experimente zu machen. Und 530 ha Land werden wurden auf Zeit an Landwirte vergeben, die einen einvernehmlichen Vertrag mit Vinci unterschrieben und dafür einen Finanzausgleich bzw. andere Parzellen außerhalb des Geländes erhalten hatten; sie bearbeiten immer noch dieses Land, das sie an Vinci abgetreten haben, und erhalten weiter die GAP-Subventionen dafür, d.h. sie kriegen die Butter und das Geld für die Butter. Die Gierigsten könnten jetzt einen Vorrang auf zukünftige Landstücke anmelden um ihr Ackerland auszudehnen; sie würden daraus Gewinn schlagen, dass der Boden von der Bewegung in hartem Kampf gerettet wurde.

Im Übrigen können die ehemaligen Besitzer im Widerstand, die jeden Vertrag mit Vinci abgelehnt haben, ihr enteignetes Land zurückbekommen und wählen, ob sie es wieder in der klassischen Weise bearbeiten wollen oder eher kollektiv, indem sie es in eine gemeinsame Grundstücks-Verwaltung einbringen. Der Kampf um den Grund und Boden wird somit für die nächsten Monate oder gar Jahre im Zentrum der Auseinandersetzungen stehen.

Die brennende Herausforderung an die Bewegung ist es jetzt, eine kollektive Verwaltung der größtmöglichen Fläche zu schaffen und der Gefahr des Auseinanderbrechens vorzubeugen.

Foto von unseren Freunden aus Donosti

 

Die Zukunft des ZAD-Geländes ist ungewiss.

Denn wenn das ZAD-Gelände zu stark zerstückelt wird, könnte dies das allmähliche Ende dieser gemeinsamen überschäumenden Kraft bedeuten und einer zerstreuten Summe von Individuen oder Gruppen Platz machen, die jeweils ihre eigenen Ziele verfolgen. Man kann sich vorstellen, dass die am meisten Isolierten vertrieben werden könnten, dass andere gedrängt würden nach und nach in den ökonomischen Rahmen zurückkehren, den die ZAD bisher erfolgreich gesprengt hat. Ein wichtiger Teil des Geländes könnte an produktivistische Landwirtschaftsformen vergeben werden, die sich wenig kümmern um das hier gelebte angemessene Verhältnis zwischen

menschlichen Aktivitäten und dem Schutz der Bocage-Landschaft. Und natürlich würden sie von den klassischen Landwirtschaftsinstitutionen vereinnahmt. Deshalb müssen wir uns ab dem Frühjahr um neues Gelände kümmern und dort Projekte errichten, um zugleich die Gier der Absahner zu beschneiden und gegen die Arroganz der Regierenden anzugehen, die ab dem 1. April die Vertreibung von der ZAD androhen.

Setzen wir ein Beispiel, um die Toleranzgrenzen der Institutionen weiter zu verschieben.

Die Karte des Gemeinschaftsgeländes der ZAD.

 

Darum haben wir auch die Absicht, den Grund und Boden der ZAD in eine einheitliche Form zu überführen, die aus der Widerstandsbewegung entstanden ist. Die Entscheidung sie in eine legale Form zu bringen ist das ist das Ergebnis der Diskussionen zwischen den Beteiligten und der Versammlung. Es war die Entscheidung, die wir alle zusammen akzeptieren konnten, indem wir die Ziele der einen und der anderen in Einklang brachten und uns vornahmen, das Kräftegleichgewicht in Zukunft aufrecht zu erhalten. Diese Einheit hat zum Ziel, den Reichtum der ganzen vielfältigen Aktivitäten der ZAD zu erhalten, sie soll der Schutzmantel sein, unter dem die ganze Spannbreite von Erfindungsgeist und Freiheit sich weiterentwickeln kann. Es wird nur eine Form sein, die natürlich möglichst unseren Wünschen entspricht; wesentlich wird die Art und Weise, wie wir diese Form und dieses Territorium mit Leben füllen.

Die Entscheidung für die Richtung eines legalen Fundaments war für viele hier kontra-intuitiv, sie rüttelte an den Grundfesten der politischen Prämissen eines guten Teils der Besetzer und zwang uns, uns ernsthaft zu fragen, woran wir festhalten wollen. Uns zu fragen, was die Fortdauer von all den Aktivitäten und Lebensorten in Zukunft noch sichern kann. Wir sind überzeugt, dass diese komplexen Fragen sich weder durch misstrauische Bezichtigung etwaigen Verrats einzelner noch durch einen radikalen Fatalismus einer sterilen Zukunft lösen lassen. Wir können uns nicht mit Prophezeiungen der Selbstverwirklichung zufriedengeben, die vorhersagen, dass die Erfahrungen der freien Kommune in jedem Falle erdrückt oder wieder vereinnahmt werden. Wir denken im Gegenteil, dass es in diesem Moment der Schwebe darum geht, herauszufinden, wie wir es am besten schaffen, den Versprechungen, die wir uns Schritt für Schritt für die Zukunft gemacht haben, treu zu bleiben.

Der Wettlauf um die ZAD ist bei weitem noch nicht gewonnen. Wir brauchen ein unerhörtes Vertrauen unter uns, unter den Beteiligten, den Personen. Vertrauen in unsere Ziele, in unsere Praxis, und in die Wertschätzung, die jeder für sie hat. Ein solches Vertrauen ist heutzutage ein seltenes Gut. Wir sind uns wohl bewusst, dass jede Legalisierung auch die Gefahr der Normalisierung in sich birgt. Aber was wir anstreben, geht eher den umgekehrten Weg: Wir wollen ein Beispiel schaffen, um die Schwelle dessen, was die Institutionen akzeptieren, weiter zurückzudrängen. Und wir hoffen dabei, dass diese von uns eingedrückten Dellen im starren französischen Recht in Zukunft auch anderen als uns dienen werden.

Weil wir an diese Möglichkeit glauben, haben wir beschlossen, durch eine gemeinsame Delegation, die sich aus allen Beteiligten zusammensetzt, unsere Vision von der Zukunft der ZAD gegenüber dem Staat zu verteidigen. Das ist besser, als getrennte Verhandlungen zuzulassen, die diejenigen, die sie führen, in die Verteidigung von Einzelinteressen drängen, die sich vielleicht spaltend auswirken. Die Delegation der Bewegung wird auf ihren Versammlungen gebildet, und diese Versammlungen werden parallel dazu die notwendigen Aktionen weiterführen, um zu schaffen, was Verhandlungen nicht erreichen.

  • Mehr zu den Autoren: et-toc(arobase)riseup.net

 

Video-Botschaft zum Fest nach Notre Dame des Landes

Stuttgart – Von der 403. Montagsdemonstratioin Grüße an alle Aktivisten der ZAD

 

 

 

 

Dank aus Notre Dame des Landes erreicht uns heute 10.Februar:

Bonjour et grand merci à vous !

Que vous ayez fait cette vidéo pour la fête nous touche beaucoup.
Je vais essayer de la projeter demain.

En vous souhaitant bon courage, beaucoup de force, et des réussites dans vos luttes, et aussi de douceur dans la vie

 

Grussadresse aus Florenz an Stuttgart und Notre Dame des Landes

Dear friends in Stuttgart,
from Florence we wish the best success for your demonstration of Monday 15; it will be the 400th time you march in the streets of your town to say NO to a stupid mega project.
We in Florence have similar problems with the project of two tunnels and an underground station. La last decisions of Italian railways are that only few trains will stop in that station (about 20 a day!), but the works don’t stop. They want to spend billions of euros and damage our beloved town only to guarantee profits to the builder!
Next Monday
we will be with you with our thoughts; your fight is our fight.

We want also give solidarity to the friends of Notre Dame de Landes; we have seen that you are going to have heavy repression in your resistance: http://www.lemonde.fr/planete/article/2018/01/12/notre-dame-des-landes-la-gendarmerie-se-prepare-a-une-operation-d-ampleur_5240937_3244.html#M78uCAuaTMfqTTVW.99
Also in Florence there is a fight against a new airport they want to build 5 km from the city centre; we, no tav, are always in contact with the groups that are fighting against this new mega project.
Your resistance is an important piece of the future we are building.
Best wishes from Florence and an embrace to you all
Committe No Tunnel TAV Florence

Forum Stop UIMP-GOII-GPII“ group.

https://groups.google.com/d/optout.