größer-länger – höher – Großprojekte in der Türkei

Foto: Ali Carman

 

Infoveranstaltung  Arbeitskreis “ Stuttgart 21 überall“

am 22.Januar 21018

Einführung gekürzt:

Dwight Eisenhower warnte :“Wir (die Regierung) müssen uns vor dem Einfluss des militärisch-industrieellen Komplex schützen…. wir dürfen nie zulassen, dass die Macht dieser Kombination unsere Freiheiten oder unsere demokratischen Prozesse gefährdet.“…..Das ist bis heute so…

Der Arbeitskreis Stuttgart21 ueberall versucht Kontakt aufzubauen und zu unterhaltenn zu Protestbewegungen, die  gegen unnütze, zerstörerische und aufgezwungene GP ankämpfen.

Im internationalen Bereich explodieren geradezu die geplanten und begonnenen Projekte, es steigt aber auch die Zahl der Gruppen, die sich wehren. Und es gibt  Erfolge, das zeigt der Sieg der Bewegung gegen das Flughafenprojekt Notre Dame des Landes

Zur Türkei: In ganz besonderem Maße werden dort unsinnige Großprojekte durchgezogen Und mehr noch:

als wir diese Veranstaltung planten, war die türkische Armee  noch nicht mit deutschen Waffen und deutschem Kriegsgerät nach Syrien einmarschiert und hat ein fremdes Land völkerrechtswidrig überfallen. Bei Krieg und bei GP geht es um Macht, Einfluss, wirtschaftliche und finanzielle Eigeninteressen .

Wir sollten auch im Hinterkopf haben, dass die Türkei ein wichtiges Transitland ist bei den Plänen der neuen Seidenstrasse von China nach Europa und das Erdogan-Regime schon seine Anstrengungen für gewaltige, neue Infrastrukturprojekte angemeldet hat. Damit kommt auf dieses schöne Land, die Umwelt und die Menschen noch viel mehr zu, als das was wir heute Abend vorstellen können.

Unsere Referentin, Aynur K ist Umweltschützerin und kommt aus der Friedensarbeit, hat sich eingehend mit den in Planung und im Bau befindlichen Großprojekte befasst…..

Foto: Ali Carman

 

Vortrag  stark gekürzt :

Erdogan´s Großprojekte

Neuer Flughafen für Istanbul

Projekt dreimal größer als Airport Frankfurt

Umweltschutz spielt keine Rolle

 

Nördlich von Istanbul wird momentan der größte Flughafen der Welt aus dem türkischen     Fotos: Baustelle neuer Flughafen

Boden gestampft. Wenn er wie geplant Ende 2018 fertig ist, sollen dort bis zu 150 Millionen Passagiere pro Jahr abgefertigt werden. Zum Vergleich: Am Frankfurter Flughafen wurden 2015 rund 61 Millionen Fluggäste gezählt. Istanbul soll zu einem internationalen Drehkreuz von Weltrang werden. Verkehrsminister Lütfi Elvan erklärte großspurig: „Wir haben die Welt überholt, in der Luft kennen wir keine Konkurrenten.“ Der Flughafen ist ein heftig umstrittenes Großprojekt der islamisch-konservativen Regierung Erdogans.

In einem Bericht der Umweltverträglichkeitsprüfung (ÇED) heißt es, dass sich derzeit 2,5 Millionen Bäume auf dem Baugelände des dritten Istanbuler Flughafens befinden. Riesige Waldgebiete werden abgeholzt. Bei Protesten sagte Erdogan zu den Demonstranten: „Geht und lebt im Wald!“

 

 

Bosporus Brücke

Attatürk-Brücke in Istanbul

Brückenschlag zwischen Europa und Asien: Erdogan hat eine dritte Bosporus Brücke bauen lassen.

Größer, länger, höher – wenn es um Bauprojekte geht, kann es für den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan gar nicht gigantisch genug sein. Die Brücke ist ein Bindeglied im 414 Kilometer langen Autobahnring rund um Istanbul, der unter anderem den neuen Flughafen anbinden und die Stadt entlasten soll. Umweltschützer hatten das Projekt scharf kritisiert: Große Waldgebiete mussten dafür gerodet werden, die Gefährdung wichtiger Trinkwasser-Reservoirs wurde in Kauf genommen. Innerhalb von knapp vier Jahren entstand die dritte Brücke über den Bosporus. Mit 322 Metern Höhe und 1408 Metern Spannweite ist sie eine der längsten Hänge- und Schrägseilbrücken der Welt. Eine achtspurige Fahrbahn und zwei Gleistrassen verbinden den europäischen und den asiatischen Teil von Istanbul. Das gigantische Bauwerk soll den Staat rund drei Milliarden US-Dollar gekostet haben. So entsteht eine ganze Reihe Großprojekten, mit denen sich der Mann vom Bosporus unsterblich machen will. Im Laufe seiner Amtszeit hat Erdogan bereits viele große, aber auch umstrittene Projekte auf den Weg gebracht. Die ganze Welt soll sehen, wozu die Türkei in der Lage ist – dafür wischt er Bedenken von Statikern oder Umweltschützern auch einfach mal Beiseite. „Verrückte Projekte“ nennt er seine Mega-Bauten. Yavuz Sultan Selim soll die Brücke heißen. Mit diesem Namen verärgert und provoziert er die Alewiten, weil YSS im Jahre 1517 die Alewiten massenhaft massakrierte.

Kanal Istanbul

Foto: Bosporus

Erdogan ist in öffentlichen Veranstaltungen schon in Tränen ausgebrochen, zeigt sich zerknirscht und gesteht dann: wir haben Istanbul ruiniert. An seinen Plänen zur weiteren Zerstörung ändert dies nichts.

Erdogan selbst spricht von einem „verrückten Projekt“, wenn es um den „Kanal Istanbul“ geht. Die 145 Meter breite und 25 Meter tiefe künstliche Schiffsroute soll das Schwarze Meer mit dem Marmarameer verbinden und so den Bosporus als parallele Wasserstraße entlasten.

  • Die Kosten für den 40 bis 50 Kilometer langen Kanal werden auf acht bis zehn Milliarden US-Dollar geschätzt. Derzeit laufen noch Machbarkeitsstudien, aber Erdogan hat schon früh seine Absicht verkündet, den Kanal Istanbul bauen zu lassen. Sogar eine Deadline für die Fertigstellung hat er bereits in den Raum gestellt: Demnach sollen spätestens im Jahr 2023, also zum hundertsten Geburtstag der modernen Türkei, die ersten Schiffe durch den Kanal fahren können.
  • Kanal Istanbul, Ein Kanal, der die Stadt im Norden und Nordwesten in zwei Teile zerlegen wird. Zu beiden Seiten des Kanals sind neue Siedlungsflächen geplant. Es wird ein enormer Druck durch die zunehmende Bevölkerungsdichte entstehen. Aber bereits jetzt sind die Planungen für größere Siedlungen spruchreif.
  • Kanal-Istanbul wird der Letzte Nagel in den Sarg der Stadt sein, er wird sozusagen der Stadt den Todesstoß geben.
  • Wir stehen einer Regierung gegenüber, die die letzten freien Flächen links und rechts überbaut. Istanbul wird mit Beton erwürgt und somit ins Verderben geleitet. Nur um mehr Macht und Finanzerlöse zu erzielen. Die Feuchtgebiete wurden mit Sand und Ähnlichem abgedeckt und das Air-Flow- Yesil Istanbul-KanalProjekt zerstört die grüne Landschaft der Stadt immer mehr. Verheerende Folgen für Mensch, Tier, Natur und für das kulturelle Zusammenleben. So wird man die Silhouette und die Schönheit dieser einst wunderschönen Stadt mit den sieben Hügeln nur noch als Erinnerung auf Fotos und Postkarten erblicken.

Erster Tunnel zwischen zwei Kontinenten (Marmaray )

 

Der Bahntunnel verläuft derzeit als 13,6 Kilometer lange Röhre unter Bosporus, Schwarzem Meer und Marmarameer. Die S-Bahnen können stündlich bis zu 75.000 Menschen transportieren und sollen dabei helfen, einen Verkehrsinfarkt in Istanbul abzuwenden. Sie ist 77 Kilometer lang, davon verlaufen 14 Kilometer unterirdisch. Technisch war bzw. ist der Bau enorm aufwendig – was sich in Baukosten von mehr als 2,5 Milliarden Euro niederschlägt.


Die gigantischen Bauprojekte stoßen auch auf Kritik. Es gibt Ängste, dass der Tunnel nicht gegen die zahlreichen Erdbeben in der Region gewappnet sei, schließlich befindet sich in nur 20 Kilometern Entfernung die berüchtigte Nordanatolische Verwerfungszone. Doch der Verkehrsminister behauptet, der Tunnel sei „der sicherste Ort in Istanbul“ und würde auch Beben der Stärke 9,0 aushalten. Doch weder Bedenken von Umweltaktivisten und Städteplanern, noch von Bürgerbewegungen und Oppositionellen konnten Erdogans Träume stoppen.

Gezi Park


Nur in einem Fall gelang es den Bewohnern bislang, ein Großprojekt zu verhindern. Den Istanbuler Gezi-Park wollte die Regierung mit einem Einkaufszentrum bebauen lassen. Daran entzündeten sich landesweite Proteste.
Der inzwischen weltberühmte Park am Taksim-Platz ist bis heute eine Grünfläche. Die Pläne, diese kleine Grünfläche zuzubauen, haben Sie jedoch bis heute nicht aufgegeben.

 

Goldabbau-Projekte

Die Bevölkerung der westanatolischen Stadt Bergama und zahlreiche Dörfer der Umgebung kämpfen seit 1989 für die Stillegung des multinationalen Konzerns Eurogold-Gesellschaft, die unter Einsatz von Zyanid Goldabbau betreibt. Aufgrund ihres fest entschlossenen Kampfes gegen die imperialistische Macht, ist der Widerstand des Volkes um Bergama sowohl national als auch international bekannt geworden.
Die Durchsetzung der Pläne von Eurogold bedeuten die Verseuchung der ganzen landwirtschaftlich genutzten Region durch den Zyanideinsatz (Blausäureverbindung) bei der Goldgewinnung. Nach Schätzungen sollen im Jahr etwa 240 Tonnen Cyanid für die Goldgewinnung verwendet werden. Mit der Zyanidlösung wird Gold von anderen Mineralien getrennt. Der Konzern hofft damit, jährlich an die 2800 kg Gold abzubauen. 

Fotos: Landschaft bei Artvin

 

Die Bevölkerung von Bargama fürchtet zu Recht, Zyanid könnte ihre Umwelt vergiften. Da sich die Goldmine in einer Erdbebenzone befindet, kann die Versiegelung des Beckens brechen und das Zyanid sich mit dem Grundwasser vermischen.

  • Die Bevölkerung von Bergama will in einer sauberen, nicht vergifteten Umwelt leben und leistet deshalb einen beispielhaften Widerstand gegen den Verkauf ihres Bodens und Verseuchung ihrer Umwelt, in dem sie sich organisiert und kämpft.
    Nachdem das Volk gesehen hat, daß alle Gerichtsurteile zu seinen Gunsten einfach ignoriert werden, hat es seinen Widerstand gegen das von multinationalen Konzernen abhängigen türkischen Regime erhöht. Die Bevölkerung hat sich organisiert und führt verschiedene Aktionen durch. Sie versucht nicht nur durch Presseerklärungen und verschiedene Veranstaltungen ihre Stimme an die Öffentlichkeit zu bringen, sondern führt auch aktiven Widerstand gegen die Umweltzerstörung in ihrer Region durch.
    Umweltaktivisten in acht Dörfern in der Region organisierten ein Referandum, in dem 89 Prozent der Wahlberechtigten gegen die Goldmine stimmten.
  • Im April d.J. hatte die Bevölkerung zu Tausenden das Eurogoldgrundstück besetzt. Anfang Mai 1997 fuhren etwa 2.000 Menschen aus der Gegend von Bergama nach Ankara, um ihren Protest vor dem türkischen Parlament fortzusetzen. Nach einem Demonstrationszug durch die Hauptstadt, wurden 50.000 gesammelte Unterschriften an den Parlamentspräsidenten übergebracht.
    Am 26. April führten rund 200 Menschen aus Bergama auf der Bosporus-Brücke in Istanbul ihre Aktion fort, in dem sie sich mit Schnüren an die Brücke fesselten und Plakate mit den Aufschriften „Jetzt reicht’s!“, „Wir sind im Recht und werden siegen!“, „Nein zum Zyanid-Gold bis zum Tod!“ u.ä. bei sich führten.
    .Auf diesem Plakat steht “ Tote können keinen Schmuck tragen

Wasserkraftwerke für die Macht 240 Wasserkraftwerke, komplett mit Damm und Stauseen, gibt es derzeit in der Türkei; um die 600 sollen derzeit in Planung sein, und 1600 solcher Kraftwerke will die Regierung bis 2040 im Land in Betrieb haben – acht Prozent des immer steigenden Energiebedarfs in der Türkei sollen dann durch Wasserkraft gedeckt werden.

Atatürk Staudamm (Wasserkraftwerk)
Die Türkei hat wesentlich mehr Wasser zur Verfügung, als sie benötigt; die Anrainerstaaten hingegen leiden unter Wassermangel und sind auf das Flusswasser angewiesen. Durch die Staudämme besitzt die Türkei eine enorme Kontrolle des Flusswassers, da sie die Abflussmenge begrenzen kann. Die Abflussmenge ist vertraglich geregelt, doch die Anrainerstaaten sind nicht befriedigt mit der zugestandenen Wassermenge.
Bisher scheiterten alle neuen Verhandlungen, da die Türkei auf ihr Quellwasserrecht besteht. Zusätzlich ist das Wasser, das in Syrien und dem Irak ankommt, durch Pestizide aus der Landwirtschaft verseucht.


Erdogans Zitat aus der Rede bei der Einweihung des Atatürk-Staudammes:
„So wie die anderen Staaten das Öl und andere Bodenschätze verwerten, so hat die Türkei das Recht, das Wasser wie einen Bodenschatz zu betrachten und als solchen zum eigenen Vorteil zu verwerten.”

Der Stärkere setzt sich durch                 

Fotos: Hasankeyf bedrohte antike Stadt

 

 

 

Das Schwarmeer-Gebiet – Kardeniz

Die seither unberührten himmlischen Landschaften in Karadeniz, sollen für eine geplante Straßenschneise begradigt, und zum größten Teil sollen die Flüsse und Bäche umgeleitet und begradigt werden. Die Bevölkerung wehrt sich und es kommt zu einem Widerstand, der die ganze Türkei erfasst. (Siehe Gezi oben, war auch ein Grund für die Ausbrüche)


Der Goldabbau in Artvin
hätte die grünen Wälder und die Felder der Bauern der gesamten Gegend mit Quecksilber verseucht. Das Volk wehrte sich Monate lang, so wie wir es auch in Stuttgart kennen. Bis der Goldabbau gestoppt wurde.

 

In der Ost Türkei


Die Verseuchung und Ausrottung der Gebiete in der Osttürkei mit Krieg raubt Natur, Tier und Mensch den Lebensraum.

 

Die Zerstörung der Stadt Sur durch die Politik der Macht: Die Altstadt von Sur mit seinen engen Gassen, den vielen historischen Gebäuden, Kirchen, Moscheen, Gräbern, Badehäusern und Brunnen und dem bunten multikulturellen Treiben war eine touristische Attraktion und fehlte in keinem Reiseführer.

 

   

Altstadtturm im ehemaligen Stadtteil Sur

Die Festung von Diyarbakir und die Kulturlandschaft „ Hevsel-Gärten“ standen auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Diese wurden mit schweren Maschinen bereits dem Boden gleichgemacht. Man kann sich ja mit Kultur und Landschaften keinen großen Namen oder Profite machen.