Widerstand gegen unnütze, aufgezwungene Großprojekte in der Türkei

 

Am Dienstag, 7. März, waren zwei aus der Türkei stammende Aktivistinnen zu Gast beim

AK – Stuttgart 21 ist überall. Sie berichteten von Kämpfen gegen unnütze, aufgezwungene Großprojekte in den letzten Jahren und aktuell. In dem „bebilderten“ Bericht ging es um den Kampf gegen Stauseen und für den Erhalt des Gezi-Parks, gegen den Großflughafen und eine Bosporus-Unterquerung in Istanbul und gegen eine Schnellstraße entlang der Schwarzmeerküste. Es wurde sehr deutlich, wie eng diese Großprojekte mit dem Charakter des Erdogan-Regimes verbunden sind.

Die Staudammprojekte an Tigris und Euphrat werden in Zukunft geopolitisch als Machtinstrument dienen. Die Türkei besitzt damit eine wichtige Waffe im Verteilungskampf um Wasser in der wasserarmen Region des Nahen Ostens.

Die Entschlossenheit und der Mut der Menschen, die trotz des repressiven Charakters des AKP-Regimes weiterhin gegen solche zerstörerischen Projekte auf die Straße gehen, ist beeindruckend.

Natürlich wurde auch die aktuelle Situation in der Türkei diskutiert. Dabei wurde sehr klar,eine Annahme des Referendums zur Machtausweitung des Präsidenten, würde alle Protestbewegungen aufhalten und den allen Einsatz der Menschen um ihre Heimat zunichte machen. Eine Unterstützung der Hayer(Nein)-Kampagne ist daher wichtig.

 

 

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Straßenprojekt im Nordosten der Türkei

 

Yesil yol topraklardan

Am Schwarzen Meer entlang nach Rice  im Nordenosten der Türkei soll eine 2 600 km lange Straßenschneise durch grüne Landschaften und Felder gezogen werden.

Dagegen regt sich Widerstand, getragen vor allem von Frauen.

Als die Baufirmen mit schweren Maschinen anrücken, haben sie nicht mit den Frauen und nicht mit Havva Ana gerechnet.

Hier die Übersetzung eines türkischen Textes, der die Aussage einer Protestierenden wiedergibt:

 

„meine Vorfahren liegen unter diesem Bode hier. Wer ist das Gericht, das dies entscheidet“.  

„Wer ist, sagt mir, wer ist der Staat, wer ist denn der Gouverneur?“  

“ ich ich ich, wir sind der Staat, den Staat gibt es, weil es das Volk gibt, und wir sind das Volk also, sagt wer ist der Staat? „

“ Unsere Großväter sind ohne Schuhe und Socken barfuß für diese Erde in den Krieg gezogen und starben den Märtyrertot. Nein diese Felder werden nicht begradigt, diese Grünen Wiesen und Wälder haben wir von unseren Großvätern geerbt, Sie haben hier auf diesen Feldern Horon getanzt. Deshalb bin ich jetzt  mit meinen Kindern und Enkelkindern hier. 

Auch die Naturschützer sind bei uns, wir sind alle da.Ich werde es auf jeden Fall nicht erlauben, dass Ihr unsere Felder begradigt.
Der Präfekt und Gouverneur, die sollen nur her kommen“.

siehe youtube:

 

 

 

 

Bosporusbrücke – Brücke der Weltrekorde – Superlative der Umweltzerstörung

Heute wurde die dritte Bosporusbrücke eingeweiht.

 

Innerhalb von  nur vier Jahren wurde der Bau der umstrittenen 3. Bosporus-Brücke durchgezogen. „Wir schreiben Geschichte durch den Bau großer Werke“ , sagte der Präsident bei der Eröffnung der höchsten und längsten Hänge-Seilbrücke der Welt.

Die noch junge Umweltbewegung der Türkei hatte jahrelang den Bau scharf kritisiert und dagegen protestiert. Riesige Waldgebiete mussten für den Bau der Brückenpfeiler und die Zubringerstrassen abgeholzt werden, unbeachtet blieb die Gefährdung für wichtige Trinkwasser-Reservoirs. Die Zerstörung der Wälder im Norden Istanbuls schreitet mit jedem Projekt des Grössenwahns fort und fördert die Veränderung des Klimas der Millionstadt.

 

2015 schrieb die Umweltbewegung  „Northern Forests Defense“   dazu:

„Istanbul’s forests are one of the 200 important ecological regions in the world and one of the 100 forests that should be urgently protected in Europe. The forests that get denser toward

the north of the city also contain important
water resources. Because the North Forests are
not very fragmented has made it easy for the wild life to develop here.
Another important
effect of these forests on the city is that they clean the air throug.“

siehe weiter unter:

http://www.kuzeyormanlari.org/wp-content/uploads/2015/05/3rd_airport_project.pdf

 

 

Neue Pläne zur Überbauung des Gezi Parks

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Jetzt im Juni 2016 wurde bekannt, dass die Pläne zur Überbauung des Gezi Parks – eine der wenigen Grünflächen im Herzen des europäischen Teils Istanbuls – wieder aufgegriffen werden.

Heute ist die politische Lage in der Türkei für  die Opposition und Protestbewegungen ungleich schwerer als 2013. Oppositionelle und Kritiker werden verfolgt, verhaftet, verurteilt, jegliche Kritik  im Keim erstickt.

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Gerade jetzt sind Betreiber von Großprojekten dabei Istanbul weitflächig zu schänden.

Die dritte Bosporusbrücke, der dritte Flughafen, ein Kanal vom Marmarameer zum Schwarzen Meer. Die Wälder um Istanbul müssen  Großprojekten weichen.  Etwa 50 Stadtteile werden niedergewalzt und bieten Platz für für gewaltige Bau – und Immobilienprojekte.

 

Bilder zu den Toten der Proteste 2013

Bilder zu den Toten der Proteste 2013

Vor drei Jahren lösten die Pläne den Gezi Park zu überbauen, Proteste  in der ganzen Türkei aus. Mit dem Zeltdorf im Gezi Park  solidarisierten sich Menschen in der ganzen Welt.  Die Staatsgewalt ging jedoch mit äussertster Gewalt gegen die Demonstranten vor. Es starben  7 Menschen.

 

 

Helft mit die Wälder von Cerattepe zu schützen

 

Die mutigen türkischen Forstarbeiter von Cerattepe der Gewerkschaft TARIM ORMAN-Is wehren sich mit der Bevölkerung gegen die Gold-, Silber- und Kupferabbaupläne auf 5000 ha der Cengiz Holding, die auch mit dem unnützen Megaprojekt eines 3. Flughafens von Istanbul beauftragt ist. Die Forstverwaltung bedroht die Gewerkschafter mit Versetzung in andere Regionen, wenn sie weiter an Demonstrationen gegen das Projekt teilnehmen.

Labourstart hat eine Solidaritätskampagne organisiert, wo man unterschreiben kann:

https://www.labourstartcampaigns.net/show_campaign.cgi?c=3066

Goldabbau in der Provinz Artvin / Türkei

Im äussersten Nordosten der Türkei, im Pontischen Gebirge soll großflächig Goldabbau betrieben werden. Die bezaubernde Gebirgslandschaft um Artvin wurde schon vor einem Jahrzehnt durch ein Staudammprojekt geschändet.

Betreiberfirma ist die Cengiz-Holding, eine Bau-Unternehmensgruppe, die nach Privatisierungsmassnahmen zu den 127 weltweit grössten Firmen gehört.

Seit Monaten kämpfen Umweltaktivisten gegen das Abbauprojekt, sie werden jetzt von Tausenden Bürgern Artvins und von Protestdemonstrationen im ganzen Land unterstützt. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen die Demonstranten ein.

Hier ein Bericht der hurriyetdailynews:

http://www.hurriyetdailynews.com/thousands-united-against-gold-mine-construction-in-northern-turkey.aspx?pageID=238&nID=95454&NewsCatID=340

 

Unterschreiben Sie die Petition  von

„Rettet den Regenwald.ev“

https://www.regenwald.org/aktion/1042/50-000-baeume-retten-goldmine-verhindern?mtu=138896346&t=362

Der 6. internationale Tag gegen aufgezwungene unnütze Großprojekte:

Die weißen Elefanten in Turin

Am 11. Dezember 2010 gingen im Susatal und in Bayonne/Baiona im Baskenland AktivistInnen gegen Hochgeschwindigkeitszüge auf die Straße zu einem „Europäischen Tag gegen unnütze Großprojekte“. Bei uns gab es am gleichen Tag eine Samstagsdemo gegen Stuttgart 21 unter dem Motto „Stuttgart ist überall“. Kurz danach hat sich unser Arbeitskreis „Stuttgart 21 ist überall“ gegründet. Wir versuchen, den Kontakt zu anderen Bewegungen gegen unnütze und aufgezwungene Großprojekte zu halten. Dafür haben wir unter anderem an den internationalen Foren gegen unnütze und aufgezwungene Großprojekte teilgenommen. Diese Foren haben beschlossen, jedes Jahr Anfang Dezember einen internationalen Tag gegen solche Großprojekte mit örtlichen Protesten der verschiedensten Art zu organisieren, was in Stuttgart dieses Jahr auf die 300. Montagsdemo fällt.“

Im Susatal  in Italien wird 2015 der 10. Jahrestag eines großen Erfolges des Widerstands gefeiert, denn am 8. Dezember 2005 hat sich die No-TAV-Bewegung einen von der Polizei geräumten Platz in Venaus in einer entschlossenen Massendemonstration von Zehntausenden zurückgeholt.

Im Baskenland wird auf beiden Seiten der Tag gegen unnütze Großpro-jekte begangen, auf der französischen Seite mit einem Diskussions- und Filmabend über die Bewegung gegen den Flughafenbau in Notre Dame des Landes (NDDL), „Der neue Kontinent“, und auf der spanischen Seite mit einer Kundgebung zu unnützen Großprojekten und dem Klimagipfel, und jeweils wird das Ergebnis des Permanenten Tribunals der Völker (s. u.) von Turin mit einbezogen.

In Frankreich war in den letzten Monaten die Vorbereitung des Weltklimagipfels Anfang Dezember ein wichtiges Thema, auch für die Bewegung gegen aufgezwungene unnütze Großprojekte. Allerdings finden nach dem in Frankreich verhängten Ausnahmezustand und dem Verbot der Großdemonstrationen zum Klimagipfel in Paris die Aktionen meist an anderen Orten statt.

Von Notre Dame des Landes (NDDL), d.h. von der ZAD (dem besetz-ten Gebiet des geplanten Flughafens) gibt es eine Demonstration zum Nachbarort Le Bourget. Die Bewegung veranstaltet dort eine Parodie der COP21
(Klimagipfel von Paris), mit Reden, Konferenzen, Musik und einer Aktion „den Himmel besetzen“: „21 Leuchtluftballons“ werden aufsteigen für 21 Kämpfe gegen aufgezwungene unnütze Großprojekte. Auf der Jahresversammlung der ACIPA mit 600 Teilnehmern (die ACIPA ist der kommunale Verein, in dem der Widerstand von NDDL konzentriert ist) wurde ausführlich über den Richterspruch des Permanenten Tribunals der Völker (PTV) gesprochen, und neue Aktionen zur weiteren Verbreitung sind vorgesehen.

Die Gezi Park- und Taksim-Bewegung und die Waldschützer
aus Istanbul

 

Gezi ParkTürkei metal worker 2
Im Jahre 2013 lief die Istanbuler Bevölkerung gegen die Abholzung des Gezi Parks und die dort geplante Shopping-Mall Sturm. Bei uns löste die Besetzung des Gezi Parks eine Welle der Bewunderung und Sympathie aus, waren doch nicht nur die Hintergründe, sondern auch die Protestformen ganz ähnlich wie in Stuttgart. In Istanbul wie in Stuttgart entwickelten sich kreative Protestkulturen, die Maßstäbe setzten in Literatur, Film und Musik. Frauen und Männer jeden Alters, aller Berufsgruppen, unterschiedlicher Ethnien, religiös oder nicht, wehrten sich gegen die Zerstörung ihres Umfelds, lernten neue Formen des Zusammenlebens und ihre eigene Stärke kennen.
Bis heute hat ein gerichtlich verfügtes Bauverbot die Zerstörung des Gezi Parks verhindert.

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Die Gezi Park- und Taksim-Bewegung ist kein Einzelproblem.
Vorausgegangen waren jahrelange Kämpfe gegen Stadtzerstörung. Nicht nur die Einwohner wehren sich, sondern auch die in der Türkei traditionell einflussreichen Berufsverbände der Stadtplaner, Architekten und Ingeni-eure. Ganze Viertel wurden niedergerissen und neubebaut mit Wohnvier-teln, die eine reiche Mittelschicht bedienen sollen, so das legendäre alt-stadtnahe Viertel Sulukule: es wurde nach 4-jährigem Kampf dem Erdbo-den gleich gemacht. Die Bewohner werden in entfernte Stadtteile vertrie-ben. Die beteiligte Gesellschaft zur Stadterneuerung, die Baufirmen und Finanzierungsinstitute sind in den Händen von Verwandten und Freunden von Präsident Erdogan

Überall in der Türkei sollen größenwahnsinnige und renditeträchtige Großprojekte durchgezogen werden: Schnellstraßen, Flughäfen, Staudämme, Shopping Malls – meist unnütz, staatliche Mittel und Ressourcen verbrauchend, zerstörerisch und umweltschädlich. So sollen in diesem erdbeben-gefährdeten Land mit reichen erneuerbaren Energiequellen 6 Atomkraftwerke entstehen. Unterstützt wird dieser Trend seit 3 Jahrzehnten vom IWF, der die Türkei offen für ausländische Investoren sehen möchte.
Die Proteste der Taksim-Gezipark-Bewegung dehnten sich schnell auf das ganze Land aus, wurden von anderen Protestbewegungen aufgegriffen und verstärkt und mündeten kurzfristig in einem landesweiten Aufbäumen gegen das Erdogan-Regime. Aus der Keimzelle im Gezi-Park entstanden auch die Waldschützer Istanbuls (Northern Forests Defense), eine basisdemokratische Bewegung zum Schutz der grünen Lunge Istanbuls, die unverdrossen weiter macht.
Nach den Wahlen im November und dem Sieg der neoliberalen AKP müssen weitere und stärkere Repressionen und Gewalt gegen alle Oppositio-nellen befürchtet werden. Die jüngsten Nachrichten aus Diyarbakir und Istanbul übertreffen diese Befürchtungen noch.
Immerhin ist es gelungen, eine Opposition im Parlament zu installieren. Die HDP vereinigt Kurden, Linke, Gewerkschaften, Umweltschützer, Pro-testbewegungen und Frauengruppen. Unsere Arbeitsgruppe hält Kontakt.
Stuttgart 21 ist überall!
Angesichts von schrecklichen Terroranschlägen, Kriegen, Flüchtlingselend, Rassismus, Abbau demokratischer Rechte fragen wir selbst und andere uns gelegentlich, warum wir uns weiterhin über einen Bahnhof empören. Aber hinter Stuttgart 21 stecken die selben Profitinteressen und Machtstrukturen, die eine entscheidende Ursache für all diese Prob-leme sind. Deshalb geht es für uns nicht darum, den Widerstand gegen Stuttgart 21 aufzugeben, sondern ihn als Teil des internationalen Wider-stands gegen Umweltzerstörung, Ausbeutung und Unterdrückung, gegen Krieg und Rassismus zu sehen.