Brief aus San Sebastian / Donostia

Herzliche Grüsse aus Stuttgart zu Satorralaia nach Donosti

Die Bewegung Satorralaia wird demnächst einen Blog beitreiben. Hier wird die neue Blogadresse veröffentlicht.

Auszüge aus einem Brief aus Donosti:

Wir selbst waren hier im April ziemlich aktiv. Am 1. April unsere Demo – total eingeregnet. Nicht als Aprilscherz sondern real. Vorher gab es die ganze Zeit nur gutes Wetter – bis wir auf die Strasse gegangen sind. Trotzdem, rund 1000 Leute mit Regenschirm dabei. Wir hatten übrigens bei der Demo ein Elefantenplakat dabei, und das Flugblatt wurde auch von einigen Elefanten geziert. Die Leute, die durchgehalten haben, haben durchweg positive Einschätzungen gegeben

Die U-Bahn-Betreiber lassen nicht locker. Eigentlich hatten sie ja letzten Oktober mit dem Bau beginnen wollen, allerdings fehlt noch die Genehmigung der Meeresbehörde in Madrid zur Untertunnelung des Strandes. (Im September beantragt, bis heute aber keine Antwort.) Nichtsdestotrotz haben sie das Bauprojekt für das Teilstück durch unseren Stadtteil Antiguo – Benta Berri, das unter bzw. neben dem Palacio Miramar bis Richtung Strand verläuft, offiziell verabschiedet. (Und sämtliche unserer Einsprüche und Unterschriftennsammlungen abgeschmettert.) Damit einhergehend haben sie „notwendige“ Enteignungen angekündigt, gegen die man – wir leben ja in einer Demokratie – Einspruch erheben kann. Fast alles sind Grundstücke, Grünanlagen, Sport- oder Spielplätze, die bereits im Besitz des Rathauses sind, sodass unsere Anwältin uns nicht viel Hoffnung machen wollte. Trotzdem haben wir innerhalb einer Woche etwas mehr als 300 Einsprüche bekommen, die wir fristgerecht am letzten Tag in einer öffentlichen Aktion unter grossem Polizeischutz zusammen eingereicht haben.
Die Regierung spricht jetzt davon, dass sie mit „unserem“ Teilstück im Oktober beginnen wollen.
Allerdings steht immer noch die Genehmigung der Küstenbehörde aus, und wir haben letzte Woche eine Verwaltungsklage mit verschiedenen Punkten eingereicht.
Der wichtigste: das Umweltgutachten stammt von 2012 und bezog sich auf einen anderen Verlauf. (Damals war z.B. der Strand noch nicht einbezogen.) Die Gültigkeit des Gutachtens demnach längst abgelaufen.
Morgen und übermorgen gibt’s in dem Zusammenhang Veranstaltungen in der Altstadt .
Vor vier Jahren hatte genau dort eine Massenbesetzung stattgefunden, um ein paar Jugendliche einer linksbaskischen Jugendorganisation vor dem polizeilichen Zugriff und einer Verhaftung allein wegen der Zugehörigkeit zu dieser politischen Gruppe (Segi) zu schützen. Samstagmittag werden verschiedene soziale Gruppen (Satorralaia auch) über ihre Erfahrungen und die nächsten Aktionen berichten. Und am Nachmittag kommen einige Leute aus der Bretagne von Notre Dâme des Landes, um über ihren Widerstand und die aktuelle Situation zu sprechen.
Klingt alles sehr interessant und – eigentlich – ist gutes Wetter vorhergesagt.

Bericht vom 2.Festival der reserve du bishnoi

 

 

Acht Aktivist*innen aus Stuttgart reisten zum Festival reserve de bishnoi, davon fünf Musiker*innen der Lokomotive Stuttgart , die die Festvalbesucher*innen rockten.

Das Festivals brachte uns neue Erkenntnissen, Gesprächen und Kontakten.

Wir wissen jetzt auch, was es mit Bishnoï auf sich hat. Die Aktivisten der Strasbourger Bürgerbewegung haben das Waldgebiet (das eigentlich ein Ausläufer der Parkanlagen des Kolbsheimer Schlosses ist) beim ersten Protestival vor einem Jahr feierlich zum Schutzgebiet erklärt und beziehen sich auf die indischen Bishnoï, die auf ihrem Gebiet radikal für den Schutz der Bäume eintreten – als Zeichen der Entschlossenheit.

Wir konnten hautnah erleben, welche Landschaften zerstört werden sollen durch den Bau der Vinci AutoRoute.

 

Zur Geschichte:

Die Idee einer Umgehungsstraße über die elsässischen Dörfer nach Strasbourg stammt aus den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts, wurde mehrfach nicht weiter verfolgt. Hollande kassierte die Pläne der Autostraße nach seinem Amtsantritt, um sie dann sechs Monate nach Amtsantritt unter neuer Planung wieder an die Öffentlichkeit zu bringen.

Nun ist der private international tätige Bau-Großkonzern Vinci der Bauherr und Betreiber der Autostraße. Er stand unlängst in Paris vor Gericht, beklagt seiner unmenschlichen Arbeitsbedingungen wegen, die beim Bau von Infrastrukturprojekten in Katar Menschenleben kosteten.

Vinci sucht zur Finanzierung des Straßenprojektes öffentliche Gelder bzw. Zinsvergünstigungen bei Kapitalaufnahme. Jetzt schon wurden ihm aus Fördermitteln zinslose Darlehen der EZB gewährt. Vinci will die Autostraße als Mautstraße betreiben und verspricht sich 1 Mrd. Gewinn im Jahr. Er plant die neue Autobahn 55 Jahre lang zu betreiben.

Hier werden neo-liberale Konzepte auf die Spitze getrieben. Ein Beispiel, das nach dem Willen des deutschen Bundes-Verkehrsministers Schule machen soll. Es findet nicht mehr Verkehrsplanung statt, nicht der notwendige Bedarf ist Grundlage von Planung, nicht die Einschränkung von Verkehr im Sinne der Nachhaltigkeit. Umwelt, Natur, Lebensraum der Menschen bleiben außer Betracht.

Die Bevölkerung wehrt sich, ist fest entschlossen ihren Lebensraum, ihre Landschaft, ihre Heimat zu schützen. Die Verankerung des Protests in der Bevölkerung konnte man schon bei der Anfahrt erkennen. In den umliegenden Orten waren in zahlreichen Fenstern Protestplakate. Ortsschilder von Kolbsheim waren durch Überkleben in „Vinci-geh-Heim“ umgeändert worden. (Praktisch, dass in der Region viele deutsch verstehen). An den beiden Tagen nahmen am Festival über 2.500 Menschen teil. Einen Bericht unserer Mitstreiterinnen und Mitstreiter auf Französisch gibt es hier: http://gcononmerci.org/actus/2eme-festival-des-bishnois-merci-on-ne-lache-rien/

Der Besuch aus Stuttgart im Réserveist sicher der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.