Wer bezahlt den „Lyon-Turin“?

von Leila Shahshahani, für Montagnes Magazine Oktober 2014 (übersetzt und gekürzt), 30.9.14

Das seit Anfang der 90er Jahre bestehende Projekt der französischen und italienischen Regierungen, eine neuen Eisenbahnverbindung zwischen Lyon und Turin zu schaffen, muss gegenwärtig, während öffentliche Gelder knapp werden, noch den Beweis erbringen, dass es finanzierbar ist.

Allein für die erste Etappe des Projekts Lyon-Turin sollen Frankreich und Italien je 2,15 Milliarden bzw. 2,95 Milliarden € des 57 km langen franco-italienischen Tunnels zwischen Saint-Jean-de-Maurienne in Savoyen und Susa in Piemont bezahlen. Die Befürworter erwarten von der EU eine Subvention von 40 % für das Tunnelprojekt, das insgesamt auf 8,5 Miliiarden € geschätzt wird. Jedoch steht die europäische Finanzierung bis heute nicht fest.

Am 11. September wurde das Projekt zur Finanzierung der großen Transport-Infrastrukturen für 2014-2020 öffentlich ausgeschrieben; die Beteiligung der EU wird jedoch erst am Ende der Projekt-Ausschreibung bekannt gegeben, und Frankreich und Italien müssen bis zum 26. Februar 2015 darauf antworten. Seitens der Umweltschützer der EELV, die heute gegen den Lyon-Turin sind, fragt man besorgt: „Praktisch alle Einnahmen des EU-Haushalts kommen aus einer direkten Beteiligung der Mitgliedsstaaten. Muss Frankreich seinen Beitrag noch erhöhen, damit der internationale Tunnel zu 40 % subventioniert wird?“

 Indessen gräbt der Träger des Grenztunnels Lyon-Turin Ferroviaire (LTF) bereits im Rahmen der Probebohrungen Stollen. Im Maurienne-Tal wurden zwischen 2002 und 2010 bereits drei Tunnel von insgesamt 9 km ausgehoben. In Italien in der Gemeinde von Chiomonte wird der Maddalena-Stollen (7,5 km) gegraben. Schließlich soll Anfang 2015 ein weiterer Stollen ab Sant-Martin-la-Porte (Maurienne) begonnen werden, auf der Achse und mit dem Durchmesser der zukünftigen Süd-Röhre des Grenztunnels“, sagt der Träger. Es handelt sich um die neun ersten Kilometer des franco-italienischen Tunnels. „Das ist die Politik der vollendeten Tatsachen, die ein Zurück unmöglich machen soll“, protestiert Jean-Paul Lhuillier, Gegner und Leitungsmitglied der Abteilung ‚Nachhaltigkeit in Transport und Mobilität’ im Dachverband FNE („France nature environnement“).

Chambéry, Demonstration gegen den Lyon-Turin, von Leila Shahshahani

Demo in Chambéry, Fotos Leila Shahshahani

Nachdem der Lyon-Turin lange als „ökologisch“ angesehen wurde, wird er nun ebenso wie der Flughafen Notre-Dame-des-Landes von vielen Bürgern, Abgeordneten und Vereinen als „unnützes und aufgezwungenes“ Großprojekt eingestuft.

Die Monatszeitschrift „Montagnes Magazine“ veröffentlicht in ihrer Oktober-Ausgabe eine Umfrage zum Projekt unter den französischen Bürgern.

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