Neuigkeiten über Quentin Torselli, der auf der Demonstration des 22. Februar in Nantes ein Auge verlor.

Die Nachrichten stammen von seiner Familie

5. März 2014

Neues von Quentin Torselli

Gesundheit: Die gestrige Operation ist gut verlaufen. Die vielen Brüche wurden versorgt, alles muss sich jetzt stabiliseren; zurzeit ist es sehr schmerzhaft (…)

Justiz: Quentin hat am 27. Februar  Strafanzeige gestellt.

Presse: Ein schöner Artikel im  Canard enchaîné von Jean-Luc Porquet.

Ein Link, der gut tut: http://www.franceinter.fr/emission-le-billet-de-francois-morel-notre-dame-des-bulldozers

Und ein anderer der die Dinge beim Namen nennt: http://22fevrier2014nantes.blogspot.fr/

6. März .2014     Zeugenaussagen:

Quentin ist nicht der einzige Verletzte, es gibt zahlreiche friedliche Demonstranten und Zuschauer, und inzwischen auch viele Strafanzeigen.

Ein junges Mädchen, das in Quentins Nähe war, erzählt:

«22. Februar 2014 in Nantes, gegen 18 Uhr zwischen der Rue Felix Eboué und der Allée de l’Ile Gloriette.

Wir wichen gerade vor den Ordnungskräften (die etwa 50 m entfernt waren) zurück, als ich Quentin auf dem Boden sah. 3-4 Personen sind mit mir zu ihm gerannt und wollten ihm helfen. Quentin war am Auge getroffen, bei Bewusstsein, aber unfähig zu laufen und sich zu erheben. (Sein Gesicht war unbedeckt.) Zusammen haben wir ihn an einen besser geschützten Ort getragen. Die CRS kamen sehr schnell weiter immer näher zu uns. Ganz in die Nähe von Quentin wurden weiter Tränengasbomben geworfen. Wir mussten ihn daher erneut entfernen und brachten ihn in eine viel ruhigere Querstraße, rue Deurbroucq, wo sich bis dahin kein Demonstrant aufhielt, wir dachten, wir hätten einen ruhigen Ort gefunden, und legten ihn auf dem Boden. Einer von uns rief von da aus die Feuerwehr an.  

Entgegen allen Erwartungen folgten uns jedoch eine Reihe CRS und ein Anti-“Aufruhr“-LKW in unsere Richtung. Mit den Händen voller Blut von Quentin lief ich auf sie zu, langsam, das Gesicht unbedeckt. die Hände in der Luft, und gab ihnen ein Zeichen anzuhalten. Ich war ein paar Meter von ihnen entfernt, sie sahen mich – sie richteten den Wasserwerfer auf mich und zielten.

Gleichzeitig hatte der Rest der Gruppe Quentin erneut weiter getragen, diesmal bis zu einer geöffneten Tiefgarage. Wir blieben lange Zeit bei ihm und versuchten ihn zu beruhigen. Da erst wurde mir die Schwere seiner Verletzung bewusst.

Ein Feuerwehrwagen kam schließlich am Quai de Tourville an. Wir brachten Quentin auf die Straße. Die Feuerwehrleute stiegen nicht sofort aus ihrem Wagen aus, sondern forderten alle auf, sich zu zerstreuen. Da ich Quentin in meinen Armen hielt, blieb ich mitten auf der Straße ganz allein mit ihm zurück. Die Zeit, in der ich Quentin in den Armen hielt, erschien mir wie eine Ewigkeit. Die Feuerwehr brauchte lange, bis sie einschritt. Die Tragbahre schien nicht zur Verfügung zu stehen. Sie hatten offenbar auch Angst vor uns und hielten sich dicht an mich und an Quentin, um sich gegen einen möglichen Angriff zu schützen… .

Schließlich brachten sie eine Überlebensdecke, holten eine Bahre und nahmen ihn endlich mit.“

Zum Schluss noch mal vielen Dank an Euch alle, es tut gut Euch bei uns zu wissen. Der Kampf beginnt erst, wir wollen dass die Dinge ans Licht kommen und bekannt werden. Zögert also nicht diese mail weiterzuleiten.

Mit freundschaftlichen Grüßen            Famille Torselli

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