Solidaritätsadresse an die Demonstration in Turin am 22.2.2014

Mit großer Entrüstung haben wir vom AK ‚Stuttgart 21 ist überall‘ von der unglaublichen Anklage wegen Terrorismus gegen die vier NO TAV-Aktivisten erfahren.

Wir schicken den vier jungen Leuten unsere herzlichen und solidarischen Grüße: Lasst euch nicht unterkriegen!

Nach dem Prozeß mit der immensen Schadensersatzforderung von über 200.000 Euro ist dies wohl ein weiterer Versuch, der NO TAV-Bewegung endlich den Garaus zu machen.

Unsere Gegner in der unheiligen Allianz von Wirtschaft, Politik, Medien und Justiz wollen, dass wir uns verkriechen und den Kopf nicht mehr heben.

Dabei sind sie es, die uns mit terroristischen Mitteln die Großprojekte aufzwingen.

Aber sie haben die Rechnung ohne uns gemacht:

Die Demonstrationen bei euch und in Notre-Dame-des-Landes am Samstag sind ein wirkungsvolles Signal dagegen!

Wir bleiben standhaft und verstärken unsere Zusammenarbeit mit dem Ziel eines noch wirksameren Widerstands!

Auch in Stuttgart werden wir diesen Vorfall breit bekannt machen und euch nach Kräften unterstützen.

A SARA DURA! OBEN BLEIBEN!

M.H. ( im Namen des AK ‚Stuttgart 21 ist überall‘ )

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Gemeinsam retten wir Rosia Montana – Uniti Salvam Rosia Montana

Elefant-Rosia-Montana (640x640)Es begann 1997, als der Chef des kanadischen Investors Gabriel Resources mit dem Hubschrauber in dem rumänischen Dorf Rosia Montana landete. Gabriel Resources hatte gravierende Pläne dabei.

Dort, wo der Hubschrauber gelandet war, sollte Europas größter Gold- und Silber-Tagebau in Betrieb gehen, 500.000 Tonnen Gestein pro Woche abtragen und Mensch und Umwelt täglich mit 134 Kilogramm hochgiftigen Zyanid belasten – über einen Zeitraum von 16 Jahren. Kirchen, Friedhöfe, Schulen, Geschäfte, Bauernhöfe, Wiesen, Wälder, alles sollte verschwinden und die EinwohnerInnen gleich mit.

 Enteignung

Der Tagebau sollte zu „übergeordnetem nationalem Interesse“ erklärt werden, um die Menschen vor Ort möglichst schnell enteignen zu können. Im September 2013 legte die Regierung den Gesetzesentwurf vor. Üblicherweise hat ein Gesetz einen nationalen für alle geltenden Charakter. Aber in diesem Fall sollte es nur für ein einziges kommerzielles Unternehmen gelten.

 Es kam aber anders:

Aus dem Nichts organisierten StudentInnen und junge Berufstätige Aktionsgruppen in Städten wie Bukarest und Cluj-Napoca. Unter dem Motto „Uniti Salvam Rosia Montana“ <Gemeinsam retten wir Rosia Montana> entstanden friedliche Proteste. 2013: Vier Monate lang gingen bis zu 50.000 Menschen jeden Sonntag auf die Straße – bei Regen, Sonne oder Schnee. Resolute Mütter mit Kinderwagen bildeten die erste Reihe bei Protestmärschen. Klassische Konzerte wurden organisiert, die in Sternennächten PassantInnen und Polizisten bezauberten. Vereine organisierten Fahrrad-Aktionen, die die Innenstädte zum Stillstand brachten. Ad-hoc-Tango-Nächte mobilisierten neue freiwillige UnterstützerInnen. Lichtprojektionen des „Salvati Rosia Montana“-Logos waren auf zentral gelegenen Fassaden erkennbar. Eine Menschenkette um das Parlamentsgebäude bildete den Höhepunkt. All das wurde verstärkt durch kleinere und größere Aktionen im ganzen Land und im Ausland.

In einem abgelegenen Raum eines leeren Fabrikgebäudes fanden Aktivisten alte Nähmaschinen, die sie in kürzester Zeit reparierten und zum Bannernähen einsetzten. JournalistInnen und MusikerInnen, im Kreis sitzend, komponieren neue Slogans, Priester, UniversitätsprofessorInnen, ÄrztInnen, Studierende und auch Kinder engagieren sich beim Bannermalen.

Die vielen Menschen und die Friedfertigkeit der TeilnehmerInnen machte es der Polizei unmöglich einzugreifen. Auch der Versuch, Gewalt anzuzetteln, blieb erfolglos.

 November 2013

Die rumänische Regierung gibt bekannt, dass sie den illegalen Gesetzesentwurf nicht weiter verfolgen würde – „würde“.

 10. Dezember 2013

Am Tag der internationalen Menschenrechte, erklärte der Präsident der Kommission, dass während der heutigen Sitzung der gescheiterte Gesetzesentwurf in das Bergbaurecht integriert werden solle, um es gleich am folgenden Tag dem Parlament zur Abstimmung vorzulegen. Gegen sieben Uhr morgens kursierte über Facebook eine Liste mit den Namen aller Abgeordneten, ihrem jeweiligen Wahlkreis und ihrer Handynummern mit dem Aufruf, sie gleich mal anzurufen oder ihnen eine klare SMS zu schicken. Mit Bildern von RumänInnen im Ausland, die an verschiedenen Botschaften protestierten. Gegen zehn Uhr hatte die Rebellenfraktion in Cluj-Napoca das Gebäude der wichtigsten Parteien friedlich gestürmt und kommunizierte Updates per Megaphon direkt vom Hauptbalkon.

  Gabriel Resources

Der Vorstand wurde im Parlamentsgebäude gesichtet. Daraufhin machten sich die Aktivisten, da sie keinen Zugang zum Parlament hatten, zumindest auf den Weg zu ihrem Verbindungsmann. Weder die Polizei noch die Büroangestellten wagten es, eine „Mandela, Mandela“ und „Gandhi, Gandhi“ trällernde Gruppe zu stoppen. Das Gebäude wurde friedlich besetzt und eine Petition gleich mit eingereicht.

Der rumänische TV-Kanal `Realitatea`, ein enger Medienpartner von Gabriel Resources, berichtete umgehend, das das Bergbaurecht geändert worden sei und der Tagebau von Rosia Montana endlich vorangehen könne.

 Währenddessen im Parlament

Abstimmung nach der Mittagspause. Eine gewisse Anzahl von Abgeordneten kam nicht zurück und das neue Bergbaurecht fiel durch, in Ermangelung des notwendigen Quorums.

Vorausschau

2014 wird die rumänische Regierung erneut versuchen, das Bergbaurecht zu ändern.

 

Das 4. Forum gegen unnütze und aufgezwungene Großprojekte findet vom 08. – 11. Mai 2014 in Rosia Montana / Rumänien statt. Der Arbeitskreis S21 ist überall nimmt teil.

( Arbeitskreis S21 ist überall / Mike Pflugrath, E-mail-Kontakt: pflugrath@freenet.de  – Zusammenfassung/etwas gekürzt aus dem Robin Wood – Bericht, Ausgabe-Nr. 120/1.2014 von Stephanie Danielle Roth, Berlin)

Das Goldbergbau-Projekt Roșia Montană

Roșia Montană (deutsch Goldbach, ungarisch Verespatak) ist eine Gemeinde im Kreis Alba in Siebenbürgen, Rumänien.

Einwohner 2011: 2.656, Höhe 800 m, Fläche 41 km2, Bürgermeister Eugen Furdui, Die nächstgelegene größere Stadt Abrud (Großschlatten) ist 10 Kilometer westlich, die Kreishauptstadt Alba Iulia (Karlsburg) ca. 80 Kilometer.

Mit seinen 16 Dörfern und Weilern ist Roșia Montană Teil des historischen Motzenlandes.

Roșia Montană zählt zu den ältesten und bedeutendsten Gold-Lagerstätten Europas. Seit über 2000 Jahren wird hier Gold abgebaut.

Ein Projekt des kanadischen Konzerns Gabriel Resources beunruhigen derzeit die Bergwerksstadt und sorgen für weltweite Proteste: Für einen modernen Tagebau sollen zwei Talschaften in Krater verwandelt und rund 2.000 Menschen umgesiedelt werden.

Nachdem der Bergbaukonzern in der Amtszeit von Präsident Ion Iliescu von der rumänischen Regierung eine Konzession zum Betrieb eines Tagebaus in Roșia Montană erhalten hatte, wurde mit der Ablöse von Häusern und Grundstücken, sowie bereits mit Abrissarbeiten begonnen. Gegen dieses Projekt begann sich jedoch öffentlicher Widerstand zu regen, wegen der geplanten Verwendung von Natriumcyanid bei der Gewinnung des Goldes. Im Jahr 2000 hat es bei einem anderen Goldbergwerk im Norden des Landes, in dem dieselbe Fördertechnologie verwendet wurde, einen Dammbruch gegeben, der zu einer schweren Umweltkatastrophe führte (siehe: Baja-Mare-Dammbruch).

In Baia Mare (Frauenbach) in Rumänien ereignete sich am Abend des 30. Januar 2000 ein Dammbruch einer Absetzanlage, der eine schwere Umweltkatastrophe zur Folge hatte. Nach schweren Regenfällen brach am 30. Januar 2000 vermutlich gegen 23 Uhr in der Stadt Baia Mare in Nordwest-Rumänien der Damm einer Golderz-Aufbereitungsanlage. 100.000 m3, nach anderen Informationen mindestens 300.000 m3 mit Schwermetallen versetzte Natriumcyanidlauge überflutete das angrenzende Areal und gelangte über den Săsar-Bach und die Flüsse Lapuș und Someș (ungarisch Szamos) in die Theiß und in die Donau. Nach schweren Regenfällen brach am 30. Januar 2000 vermutlich gegen 23 Uhr in der Stadt Baia Mare in Nordwest-Rumänien der Damm einer Golderz-Aufbereitungsanlage. 100.000 m3, nach anderen Informationen mindestens 300.000 m3 mit Schwermetallen versetzte Natriumcyanidlauge überflutete das angrenzende Areal und gelangte über den Săsar-Bach und die Flüsse Lapuș und Someș (ungarisch Szamos) in die Theiß und in die Donau.

Die Anlage war zu 51 Prozent im Eigentum der australischen Unternehmens  urul/Esmeralda und zu 49 Prozent im Besitz der rumänischen Staatsfirma Remin.

Ein enormes Fischsterben war die Folge. Mehr als 1.400 Tonnen Fische verendeten. Es war die größte Umweltkatastrophe Osteuropas seit dem Reaktor-Unfall 1986 in Tschernobyl und hatte gravierende Folgen für die Umwelt in Rumänien. Die Existenzgrundlage einiger hundert Fischer entlang der Theiß in Ungarn wurde vernichtet. In einigen ungarischen Städten war die Trinkwasserversorgung für mehrere Tage unterbrochen. In Rumänien floss das Gift auch über Wassergräben in das am Damm gelegene Dorf Bozânta Mare und vergiftete Trinkwasser und Erdboden. Als Gegenmaßnahme wurde umgehend Natrium-hypo-chlorit zugesetzt, um die Zyanidverbindung zu toxisch unbedenklichen Salzen zu oxidieren.

Die Ursachen des Unfalls waren eine Mischung von Konstruktionsfehlern, mangelnder Kontrolle, ungenügendem Risikomanagement und extremen Wetterverhältnissen.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ro%C8%99ia_Montan%C4%83

Der Bergbaukonzern Gabriel Resources

ist mit 80,46 % an dem umstrittenen Rosia Montana Gold-Projekt in Rumänien beteiligt. Die Seite des BergbauKonzerns: http://gabrielresources.com/site/RMGCManagement.aspx

Seit Juni 2010 ist Alfred Gusenbauer im Direktorium des kanadischen Bergbaukonzerns Gabriel Resources.

Zu seiner Person: Alfred Gusenbauer (* 8. Februar 1960 in St. Pölten, Niederösterreich) ist ein ehemaliger österreichischer Politiker und war von Januar 2007 bis Dezember 2008 Bundeskanzler von Österreich. Von 2000 bis 2008 war er Bundesparteivorsitzender der SPÖ.

Seit dem Ende seiner politischen Karriere ist er als Berater (2009 für den Bankkonzern Hypo Group Alpe Adria) und Lobbyist, sowie in verschiedenen Positionen in der Bau-, Immobilien- und Finanzbranche tätig, u. a. als Aufsichtsratsvorsitzender der Strabag SE (Juli 2010).http://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Gusenbauer#Berufliche_T.C3.A4tigkeit

Seit Sommer 2009 ist er in beratender Funktion als Osteuropa-Experte für die WAZ-Mediengruppe (u.a. Beteiligungen an den Tagesblättern Kronen Zeitung und Kurier) tätig.

Weiter sitzt Alfred Gusenbauer seit 17. September 2009 im Aufsichtsrat der SIGNA-RECAP Holding AG des österreichischen Immobilieninvestors René Benko.

Im Herbst 2009 übernahm Gusenbauer einen Posten als Europa-Direktor des chilenischen Investmentfonds Equitas European Funds (Immobilien, Informationstechnologie, Umwelttechnik und Agrarindustrie), einer Tochter der Fondsgesellschaft Equitas Capital SpA mit Sitz in Santiago de Chile.

Seit Kasachstan Anfang 2010 den OSZE-Vorsitz übernommen hat, berät Gusenbauer den kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew.

Von November 2011 bis Jänner (Januar) 2012 hielt Alfred Gusenbauer als Gastprofessor mehrere Vorlesungen zum Thema „Die Realpolitik der EU-Institutionen im politikwissenschaftlichen Fokus“ an der Universität Innsbruck.

(zusammengestellt vom Arbeitskreis S21 ist überall)

Absprachen zur Vorbereitung und Teilnahme am 4. Forum in Rosia Montana

Der Arbeitskreis trifft sich am 25.3., 8.4., 23.4. um 18.30 Uhr im Parkschützerbüro.

Die Besprechung zur  Vorbereitung und Teilnahme am 4. Forum gegen unnütze und aufgezwungene Großprojekte vom 8.-11. Mai in Rosia Montana findet am 1.April 2014 um 18.30 Uhr im Parkschützerbüro, Stuttgart-Mitte, Urbanstr. 49 A (Haltestelle Staatsgalerie) statt. Eingeladen sind alle Interessierten.

Unnütze Megaprojekte: Dokumentarfilm: „Rosia Montana – Ein Dorf am Abgrund“

Dokumentarfilm: „Rosia Montana – Ein Dorf am Abgrund“ von Fabian Daub, 2012
am 11. März um 19 Uhr im Forum3, Stuttgart-Mitte und

Veranstaltung von Attac Schorndorf: am 27. März um 20 Uhr in der Manufaktur Schorndorf, Großer Saal (http://www.club-manufaktur.de/info/anfahrt.html)

Im Anschluss:

Bericht über den aktuellen Stand der Vorbereitungen für das 4. Forum gegen unnütze und aufgezwungene Großprojekte, das vom 08. – 11. Mai 2014 in Rosia Montana/Rumänien stattfindet: Aktuelle Programmplanung – mögliche Reiseverbindungen etc.

Beteiligung am 4. Forum in Rosia Montana, Reise, etc.:

am 1. April um 18.30 Uhr im Parkschützerbüro, Stuttgart, Urbanstr. 49 A

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4. Forum gegen unnütze und aufgezwungene Großprojekte in Rosia Montana / Rumänien

Nachdem der Arbeitskreis (AK) S21 ist überall im Juli 2013 (25.-29.07.) das 3. europäische Forum gegen unnütze und aufgezwungene Großprojekte in Stuttgart initiiert hatte, wird der AK am diesjährigen 4. Forum im Mai in Rosia Montana/Rumänien teilnehmen.

Auf dem Dritten Europäischen Forum in Stuttgart diskutierten ca. 1.000 Gegnerinnen und Gegner aus ganz Europa über gigantische, Milliarden an Geldern verschlingende, unsoziale und Umwelt zerstörende Großprojekte.

Im siebenbürgischen Rosia Montana ist ein rießiges Goldabbau-Gebiet geplant. In ganz Rumänien hatten im vergangenen Jahr tausende Menschen gegen die Zerstörung ihrer Umwelt protestiert, in der Hauptstadt Bukarest protestierten an mehreren Wochenenden Tausende auf der Straße.

Was kostet der globale Ausverkauf? Dies bekommen die Bewohner/innen des Westkarpatendorfs Rosia Montana hautnah zu spüren. Hier lässt sich ein kanadischer Großkonzern nieder, der angetreten ist, das größte Goldvorkommen Europas zu heben.

Die Bevölkerung von Rosia Montana wehrt sich gegen eine Zwangsumsiedlung. Ein erbitterter Kampf von David gegen Goliath im Herzen Transilvaniens.

Der Gezi-Widerstand beklagt sein jüngstes Todesopfer

Die DIDF Stuttgart ruft auf: Zeigt Solidarität und kommt!

Donnerstag den 13.03.2014, um 16 Uhr findet am Stuttgarter Schlossplatz eine Demonstration für Berkin Elvan statt,der heute Morgen in Istanbul verstorben ist. Berkin Elvan war im Juni während der Gezi Proteste, von einem Tränengasgeschoss der Polizei am Kopf getroffen worden, als er Brot kaufen wollte.

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Der Gezi-Widerstand beklagt sein jüngstes Todesopfer

Knapp neun Monate nach der gewaltsamen Niederschlagung des Gezi-Widerstands erlag der 15jährige Berkin Elvan heute frühe seinen schweren Verletzungen, der seit Mitte Juni 2013 im Koma lag. Berkin war am 16. Juni 2013 durch eine Tränengasgranate am Kopf schwer verletzt worden, als er im Istanbuler Stadtteil Okmeydani eine Bäckerei aufsuchen wollte. Berkin ist damit das siebte Todesopfer bei den Protesten.

Die Nachricht vom Tod Berkins wurde heute früh von seinen Eltern per Twitter verbreitet. Die Mutter von Berkin sagte, seinen Sohn habe nicht, wie Regierungsvertreter sagten, Gott zu sich geholt, sondern der Ministerpräsident Erdogan persönlich sei für den Tod verantwortlich.

Dieser hatte im Anschluss an die Proteste erklärt, er habe die Polizei angewiesen, den Protesten von Besatzungsmächten ein Ende zu setzen. „Unsere Polizei hat den Demokratie-Test mit Bravour bestanden und einen Heldenepos geschrieben“, so Erdogan im Juni vergangenen Jahres.

Proteste flammen wieder auf

Nach Bekanntwerden des Todes von Berkin stürmten Tausende vor das Krankenhaus in Istanbul. Am vergangenen Wochenende hatte die Klinik-Leitung die Öffentlichkeit darüber informiert, dass sich der Gesundheitszustand von Berkin verschlechtert habe. Daraufhin hatten sich Freunde und Unterstützer der Familie versammelt. Vielerorts wurden die Protest Demonstrationen mit Polizeigewalt aufgelöst.

Landesweit traten an Unis und Gymnasien Studenten und Schüler ab den frühen Morgenstunden in einen spontanen Streik. An zahlreichen Schulen hielten Schüler Gedenkfeiern ab und kündigten weitere Proteste an. In mehreren Betrieben und Stadtverwaltungen kam es zu Arbeitsniederlegungen. Mehrere Parteien rufen zur Teilnahme an der Trauerfeier am morgigen Mittwoch auf. Die Gewerkschaft DISK kündigte für morgen 12.00 Uhr einen einstündigen Streik an, um der Forderung nach der Bestrafung der Mörder Berkins Nachdruck zu verleihen.

Berkins Mörder auf freiem Fuß

Während der Proteste, die im vergangenen Sommer die ganze Türkei erfasst hatten, waren sechs Demonstranten und ein Polizist getötet, Hunderte zum Teil schwer verletzt und Tausende festgenommen worden. Gegen das Taksim-Bündnis wurden anschließend Ermittlungen eingeleitet und seine Aktivisten als Mitglieder einer Terrororganisation angeklagt. Während die Istanbuler Staatsanwaltschaft aktuell einen zweiten Anlauf nimmt, um ein Gerichtsverfahren gegen sie zu eröffnen, führten die Ermittlungen bezüglich der Verletzung von Berkin Elvan zu keinem Ergebnis. Sieben Polizeibeamte, die in den Fall verwickelt waren, leiden unter „kollektiver Amnesie“. Keiner konnte sich während der Ermittlungen daran erinnern, wer die Gasgranate abgefeuert hat.

Die Erdogan-Regierung hat zurzeit aufgrund aufgedeckter Korruptionsfälle, in die auch der Ministerpräsident verwickelt ist, mit großen Problemen zu kämpfen. Angesichts der bevorstehenden Kommunalwahlen am 30. März versucht sie mit aller Macht, jegliche Opposition im Keim zu ersticken. Es zeichnet sich ab, dass sie auch jetzt versuchen wird, die wieder aufgeflammten Proteste mit brutaler Polizeigewalt niederzuschlagen.

V.i.S.d.P.: M. Calli, c/o Bigede e.V.    http://www.tuerkei-aktuell.info / info@tuerkei-aktuell.info

Appell der Angehörigen der 4 inhaftierten NoTAV-Gegner Chiara, Claudio, Mattia und Niccolò

Appell der Angehörigen der 4 inhaftierten NoTAV-Gegner Chiara, Claudio, Mattia und Niccolò

In diesen Wochen habt ihr wahrscheinlich von ihnen gehört. Es sind die Personen, die am 9. Dezember v.J. verhaftet wurden mit der Anklage, die TAV-Baustelle in Chiomonte angegriffen zu haben. Bei diesem Angriff ist lediglich ein Kompressor zu Schaden gekommen, es gab keine Personenschäden. Die Anklage lautet jedoch auf „Terrorismus“, da „in diesem Zusammenhang“ und mit der Aktion unter Umständen „Panik unter der Bevölkerung“ ausgelöst wurde und das Land dadurch „einen großen Schaden“ davongetragen hätte. Ein Imageverlust?

Wir wiederholen: Ein Verlust des Ansehens? Die Anschuldigung basiert allein auf der Potenzialität der vermeintlich ausgeführten Handlungen, aber in Ermangelung des Straftatbestands des „fahrlässigen Terrorismus“ in unserem Rechtssystem, läuft die Anklage auf tatsächlichen, vorsätzlichen Terrorismus heraus.

Hingegen der Terrorismus, der in unser aller Gedächtnis geblieben ist:

Die Blutbäder der 70er und 80er Jahre, die Bombenanschläge in Zügen und auf Plätzen in jüngster Vergangenheit auch auf  Flughäfen, U-Bahnen und Wolkenkratzer.

– Der Terrorismus, der sich gegen unschuldige und ahnungslose Menschen richtete, die ermordet wurden. Der Terrorismus, der tatsächlich die ganze Bevölkerung terrorisiert hatte.

Im Gegensatz dazu haben unsere Kinder, Brüder und Schwestern immer Respekt vor dem Leben anderer gehabt. Es sind großherzige Menschen, voller Ideen, die eine bessere Welt wollen und dafür auch kämpfen. Sie haben gegen jede Form von Rassismus gekämpft, sie haben die Schrecken der CIE (Centri di identificazione ed espulsione – Die unmenschlichen Auffang- und Abschiebelager für Immigranten) angezeigt – über die man sich heute so entrüstet zeigt – bevor diese überhaupt von der Presse und der Öffentlichkeit wahrgenommen worden sind.

Sie haben Raum und Momente für  kritische Auseinandersetzung  geschaffen. Sie haben sich dafür entschieden, ihren Lebensraum zu verteidigen und nicht dafür, die Bevölkerung zu terrorisieren. Alle Susatäler-Bürger bestätigen dies und setzen diese Haltung auch auf ihren Internetseiten fort. Ist etwa das die Bevölkerung, die sich terrorisiert fühlt?

Und kann ein in Brand gesetzter Kompressor einem Land großen Schaden zufügen? Die verhafteten Personen bezahlen die Zeche für ein Land in einer Glaubwürdigkeitskrise. Genau darum werden sie plötzlich und unverhofft zu Terroristen wegen Imageschädigung mit dem gleichen schweren Strafmaß wie für  jemanden, der getötet hat oder töten wollte.

Dies ist eine inakzeptable (Grenz)Überschreitung für eine Demokratie. Würde diese Vorgehensweise die Oberhand gewinnen, würde das für die Zukunft bedeuten, dass jeder, der eine von oben getroffene Entscheidung anficht, unter den gleichen Prämissen angeklagt werden könnte, weil er das Land – die Regierung – in schlechtes Licht setzt und diesem einen Imageschaden zufügt. Es ist unser aller Freiheit, die in Gefahr ist. Eine Freiheit, die wir nicht als selbstverständlich voraussetzen können.

Für Straftaten im Zusammenhang mit Terrorismus sind keine Hausarreste vorgesehen, sondern Haftstrafen in Hochsicherheitstrakten, was  bedeutet: Isolation, zwei Stunden Hofgang täglich, vier Stunden Besuchszeit pro Monat. Alle Briefe werden kontrolliert, der Staatsanwaltschaft zugeleitet und protokolliert. Die Briefe kommen sowohl bei den Inhaftierten als auch bei uns mit extremer Verspätung oder überhaupt nicht an. Jetzt sind die vier in jeweils andere Hochsicherheitsgefängnisse verlegt worden, weit weg von ihrer Heimatstadt. Eine Distanz, die sie noch mehr trennt von der Zuneigung ihrer Familien und ihrer Lieben, mit weiteren unverständlichen Schikanen, wie die Streichung von Besuchen, das Verbot der Begegnung untereinander und in einigen Fällen die totale Isolation.

All das sogar noch vor einem Prozess, da sie angeblich „gefährlich“ seien, „dank“ einer Interpretation der Justiz, die sich nicht auf Fakten stützt.

Dieser Brief richtet sich an:

Zeitungen, Fernsehen, Massenmedien, damit sie wieder ihre Aufgabe übernehmen, zu informieren und alle Aspekte abzuwägen, auf dass sie den Mut finden, über diesen Fall zu berichten, sich zu empören über die paradoxe Situation einer Person, die eine extrem harte Strafe riskiert, nicht weil sie jemanden niedergemetzelt hat, sondern weil sie nach Ansicht der Anklage eine Maschine beschädigt oder der Beschädigung beigewohnt habe.

Dieser Appell richtet sich an die Intellektuellen, auf dass sie zu diesem Fall ihre Stimme erheben mögen. Damit sie handeln, bevor unser Land zu einem unlebbaren Ort wird, wo diejenigen, die sich widersetzen, die denken, dass ein Großprojekt den Bürgerinnen und Bürgern dienen müsse und nicht dazu, der EU ein paar Münzen aus der Tasche zu ziehen, als eine Bereicherung und nicht als Terroristen angesehen werden.

Dieser Appell richtet sich an die ganze Gesellschaft und insbesondere an Familien wie unsere, die mit zunehmender Sorge und Mühe ihre eigenen Kinder in diesem Land aufwachsen sehen, sie großziehen und sie lehren, nicht wegzuschauen und denen beizustehen, die auf der richtigen Seite stehen und die uns wirklich brauchen.

Vielen Dank

Die Familienangehörigen von Chiara, Claudio, Mattia und Niccolò